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31.08.2018, 17:49 Uhr AFD-BESUCHER HETZEN IN GEDENKSTÄTTE

Menschliche Kälte am Ort des Völkermords

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Ort der Störung: Der Haupteingang zum ehemaligen Konzentrationslager, der heutigen Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel soll mehrfach eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin gestört haben. Foto: Patrick Pleul/dpaOrt der Störung: Der Haupteingang zum ehemaligen Konzentrationslager, der heutigen Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel soll mehrfach eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin gestört haben. Foto: Patrick Pleul/dpa

Osnabrück. AfD-Besucher stören beim Besuch einer KZ-Gedenkstätte. Ein widerlicher Vorgang, der mit gezielten Strategien der Verharmlosung zu tun hat. Dagegen sind neue Konzepte der Erinnerungsarbeit gefragt.

Das Verhalten von Mitgliedern der AfD-Besuchergruppe in der Gedenkstätte Sachsenhausen ist respektlos und menschenverachtend, weil es die Opfer des Holocausts verhöhnt. Dies gilt umso mehr, als die rechten Störer ihr Verhalten vorher offenbar bis in den Wortlaut von Äußerungen hinein abgesprochen haben. So viel menschliche Kälte lässt einen frösteln.

Es liegt nahe, sich über solches Verhalten zu entrüsten. Das genügt aber nicht. Denn die Störaktion ist Teil einer Strategie, die darauf abzielt, den gesellschaftlichen Konsens zum Thema Gedenken auszuhebeln. Hier weiterlesen: Gäste von AfD-Politikerin Weidel hetzen in KZ-Gedenkstätte.

Ob Björn Höcke, der eine „erinnerungspolitische Wende“ gefordert, oder Alexander Gauland, der von der NS-Zeit als „Vogelschiss“ der Geschichte gesprochen hat – führende AfD-Politiker geben eine Linie widerlicher Verharmlosung vor, der nun wie in der Gedenkstätte Taten folgen. Es reicht nicht, darauf nur mit Bekenntnissen zu antworten. Neue Konzepte sind gefragt.

Das gilt gerade für die Zeit nach der Generation der Zeitzeugen. Das Gedenken muss weitergehen. Dafür werden aber neue Formen benötigt. Es geht mehr denn je darum, mit der Erinnerung an die Opfer des Holocausts der Kostbarkeit und Würde jedes einzelnen Menschen immer wieder neu gewahr zu werden.


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