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Deutscher Oscar-Vorschlag "Werk ohne Autor": Holt Donnersmarck den zweiten Oscar?

Von Daniel Benedict

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"Werk ohne Autor" im Oscar-Rennen. Florian Henckel von Donnersmarck (rechts) mit den Schauspielern (von links nach rechts) Sebastian Koch, Paula Beer und Tom Schilling. Foto: dpa/Disney"Werk ohne Autor" im Oscar-Rennen. Florian Henckel von Donnersmarck (rechts) mit den Schauspielern (von links nach rechts) Sebastian Koch, Paula Beer und Tom Schilling. Foto: dpa/Disney

Berlin. 2007 holte Florian Henckel von Donnersmarck den Auslandsoscar. Schafft er es mit "Werk ohne Autor" noch einmal?

Florian Henckel von Donnersmarck soll zum zweiten Mal den Auslandsoscar holen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? (Wann läuft was an? Die Filmstarts im September)

Von Donnersmarck arbeitet für seinen Film

Zur Berliner Pressevorführung von „Werk ohne Autor“ kam Florian Henckel von Donnersmarck persönlich, ein hochgradig seltenes Engagement: „Es ist fraglich, ob diese Art Film weiter gemacht werden kann“, sagte er über sein Künstlerdrama. „Wenn, dann nur durch Ihre Hilfe.“

Der Regisseur arbeitet für seinen Film, und das erfolgreich: In Venedig läuft er gerade im Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Und jetzt schickt German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Kinos, ihn in die Konkurrenz um den besten fremdsprachigen Film. Der Regisseur hat die Chance, die Auszeichnung als erster Deutscher zweimal zu holen.

Noch ist "Werk ohne Autor" einer von Dutzenden Vorschlägen

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Welche Vorschläge für den Auslands-Oscar – 2018 waren es 92 – in der Oscar-Nacht zu den fünf Nominierten gehören, entscheidet die Academy of Motion Picture Arts and Sciences erst im Januar.

Der Film, der es zuletzt schaffte, war die Vater-Tochter-Groteske „Toni Erdmann“ – einer der raren Beiträge, die sich mehr über Schauspiel und Humor definieren als über Themen wie NSU („Aus dem Nichts“, 2018), Auschwitzprozesse („Im Labyrinth des Schweigens“, 2016) oder Hitlers Lebensborn-Heime („Zwei Leben“, 2014). Auch in der Auswahl deutscher Produktionen, gegen die von Donnersmarck sich durchsetzte, dominierte die verfilmte Geschichte – vom Film über Willi Herolds Morde im Emslandlager („Der Hauptmann“) bis zu Bully Herbigs Republikflucht-Thriller „Ballon“.

Schwergewichte im Angebot waren Joachim A. Langs Brecht-Porträt „Mackie Messer“ und Emily Atefs Romy-Schneider-Film „3 Tage in Quiberon“, den die Deutsche Filmakademie im April mit Preisen überhäuft hatte. Übergangen wird auch, wie schon bei der Berlinale, Petzolds Seghers-Verfilmung „Transit“.

Wie hoch sind die Chancen von "Werk ohne Autor"?

Von Donnersmarck soll den Oscar holen. Das ist eine Entscheidung fürs Bewährte – für den Regisseur, der es mit „Das Leben der Anderen“ schon einmal geschafft hat. Und für die alte Strategie, deutsches Kino über deutsche Geschichte zu vermarkten. Der Mut zum Eigensinn, der „Toni Erdmann“ in die Oscar-Verleihung katapultiert hatte, scheint verflogen. Zumindest hätte das Kriterium eher für Petzolds „Transit“ gesprochen. Der Regisseur hatte mit „Barbara“ zuletzt allerdings die Oscar-Nominierung verpasst.

Wie stehen nun die Chancen für „Werk ohne Autor“? Das Zeitstück bietet namhafte Darsteller wie Tom Schilling und Paula Beer und sogar Sebastian Koch, in Hollywood ein alter Bekannter. Dass Gerhard Richter, der deutsche Malerstar schlechthin, den Stoff inspiriert hat, sichert zusätzliche Aufmerksamkeit. Nach seinem Werk erzählt der Film von einer Kunst, die auf magische Weise die Wunden der Geschichte heilt. In einer Phase, wo die Oscar-Academy selbst so sehr von den Zeitläuften durchgerüttelt wird, könnte das manchem Mitglied als eine verlockende Utopie erscheinen.

"Werk ohne Autor" startet am 3. Oktober in den deutschen Kinos.


Entscheidung fällt Anfang 2019

Henckel von Donnersmarck zeigte sich am Donnerstag "sehr glücklich" darüber, "dass die Fachjury 'Werk ohne Autor' nun ausgewählt hat, um unser Land bei den Olympischen Spielen in Hollywood zu vertreten". Über seinen Film sagte er: "Meine Schauspieler, Produzenten und ich haben uns beim Machen von Werk ohne Autor gefragt: Welchen Film würden wir selbst auf der Leinwand sehen wollen? Herausgekommen ist eine Liebesgeschichte, ein Familiendrama, eine Biografie Deutschlands im 20. Jahrhundert und ein Streifzug durch die Kunst der Moderne."

Im vergangenen Jahr wurde das NSU-Drama "Aus dem Nichts" von Fatih Akin zur deutschen Oscar-Hoffnung, schaffte es aber nicht unter die letzten fünf Nominierten. Die Academy in Hollywood wird am 22. Januar 2019 die fünf nominierten Filme für den Auslands-Oscar bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 24. Februar 2019 in Hollywood statt.

Bislang haben drei von Deutschland eingereichte Filme den Oscar in dieser Kategorie gewonnen: Volker Schlöndorffs "Blechtrommel" (1979), Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" (2003) und zuletzt "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck (2007).

Hier die Kandidaten, die German Films in den vergangenen zehn Jahren ins Rennen schickte:

2018: "Aus dem Nichts" von Fatih Akin (keine Oscar-Nominierung)

2017: "Toni Erdmann" von Maren Ade (Oscar-Nominierung)

2016: "Im Labyrinth des Schweigens" von Giulio Ricciarelli (keine Nominierung)

2015: "Die geliebten Schwestern" von Dominik Graf (keine Nominierung)

2014: "Zwei Leben" von Georg Maas (keine Nominierung)

2013: "Barbara" von Christian Petzold (keine Nominierung), dafür gewann die deutsch-österreichische Koproduktion "Liebe" von Michael Haneke den Oscar.

2012: "Pina" von Wim Wenders (keine Nominierung als Auslandsfilm – dafür allerdings in der Kategorie Dokumentarfilm)

2011: "Die Fremde" von Feo Aladag (keine Nominierung)

2010: "Das weiße Band" von Michael Haneke (Oscar-Nominierung)

2009: "Der Baader Meinhof Komplex" von Uli Edel (Oscar-Nominierung)

(Mit dpa)


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