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29.08.2018, 12:42 Uhr KOMMENTAR

Der lange Arm des Recep Tayyip Erdogan

Kommentar von Ralf Döring

Gestürtzt und doch gewonnen: Die goldene Statue von  Recep Tayyip Erdogan, die als Kunstaktion im Rahmen der Wiesbaden Biennale in Wiesbaden aufgestellt worden war, wird in der Nacht vom 28.08. auf den 29.08. von der Berufsfeuerwehr Wiesbaden mit einem Autokran abgebaut und abtransportiert. Foto: imago/Michael SchickGestürtzt und doch gewonnen: Die goldene Statue von Recep Tayyip Erdogan, die als Kunstaktion im Rahmen der Wiesbaden Biennale in Wiesbaden aufgestellt worden war, wird in der Nacht vom 28.08. auf den 29.08. von der Berufsfeuerwehr Wiesbaden mit einem Autokran abgebaut und abtransportiert. Foto: imago/Michael Schick

Der Magistrat der Stadt Wiesbaden hat die umstrittene Erdogan-Statue abbauen lassen. Er setzt damit ein falsches Signal. Ein Kommentar.

Natürlich sollte sie provozieren. Zur Diskussion anregen. Aber zur Gewalt sollte die Erdogan-Statue in Wiesbaden sicher nicht aufrufen. Dass es unter der goldglänzenden Herrscherpose zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, ist ein Alarmsignal zum Zustand unserer Gesellschaft: Uns kommt die Diskursfähigkeit abhanden. Stattdessen opfern wir die Freiheit der Kunst.

Dabei könnte, nein, müsste man mit dem Argument der Polizei, die Sicherheit sei gefährdet, etliche Lokalderbys im Fußball absagen. Daran denkt zum Glück niemand, stattdessen fährt die Polizei das große Besteck auf, auch wenn deutsche Innenstädte dann Bürgerkriegszonen ähneln. Schön ist das nicht, aber die Polizei schützt auch in diesem Fall unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung. Wenn es sein muss, mit schwerem Gerät.

Der Magistrat in Wiesbaden hätte nun ein Zeichen für die Freiheit der Kunst setzen können. Dafür hätte er – zugegeben – einen hohen Preis, sprich: ein immenses Polizeiaufgebot aufbringen müssen. So aber wird offenbar, wie weit Erdogans ausgestreckter Arm reicht: bis in unser Verhältnis zur Freiheit der Kunst. Das ist die bittere Pointe dieser Affäre.


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