Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
28.08.2018, 17:16 Uhr SATIRE AUF DEN ALLEINHERRSCHER

Hohles Pathos: Erdogan-Denkmal in Wiesbaden

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Damit hatte keiner gerechnet: Passanten haben sich auf dem Platz der Deutschen Einheit an einer goldenen Erdogan-Statue versammelt. Die Statue wurde im Rahmen des Kunstfestivals „Wiesbaden Biennale“ aufgestellt. Foto: Arne Dedert/dpaDamit hatte keiner gerechnet: Passanten haben sich auf dem Platz der Deutschen Einheit an einer goldenen Erdogan-Statue versammelt. Die Statue wurde im Rahmen des Kunstfestivals „Wiesbaden Biennale“ aufgestellt. Foto: Arne Dedert/dpa

Osnabrück. Die Wiesbadener Biennale präsentiert den türkischen Präsidenten Erdogan in Führerpose. Das ist mehr als ein Kunstgag. Mit dem Denkmalskoloss formulieren die Kunstmacher beißende Kritik.

Dieser Coup sitzt. Mit der riesigen Erdogan-Statue haben die Macher der Biennale in Wiesbaden alle überrumpelt. Der vier Meter hohe, golden schimmernde Klotz zitiert das hohle Pathos der Führerdenkmäler des von Ideologien geprägten 20. Jahrhunderts. Von Lenin über Mao bis Enver Hodscha oder Saddam Hussein reicht die Reihe der Potentaten, die mit erhobener Hand den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft wiesen und im Namen von Utopien Menschen quälen und ermorden ließen. Hier weiterlesen: Vier Meter hohe Erdogan-Statue irritiert Wiesbaden.

Nun haben die Kuratoren ein Abbild des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Form des Diktatorendenkmals gebracht und den vier Meter hohen Koloss auch noch auf dem Platz der Deutschen Einheit aufgestellt. Mit beißendem Sarkasmus treffen die Biennale-Macher nicht allein Erdogan, sondern alle Alleinherrscher. Hier weiterschauen: Die Erdogan-Statue im Video.

Ein Seitenhieb gilt dem gigantischen Marx-Denkmal, das sich Trier zum 200. Geburtstag des Philosophen von China schenken ließ. Größenwahn deutet auf Machtmissbrauch. Die verrutschten Proportionen der Denkmäler verraten es.


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