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24.08.2018, 16:17 Uhr „SPRACHPANSCHER DES JAHRES“

„Best never rest“: Reinheitsgebot für Sprachen?

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Bundestrainer Joachim Löw geht vor einer Pressekonferenz am Schriftzug „best never rest“ vorbei. Foto: Christian Charisius/dpaBundestrainer Joachim Löw geht vor einer Pressekonferenz am Schriftzug „best never rest“ vorbei. Foto: Christian Charisius/dpa

Osnabrück. Der Verein Deutsche Sprache hat wieder den „Sprachpanscher des Jahres“ gekürt. Aber wie sieht es eigentlich mit dem Verein selbst aus? Hängt der nicht unzulässigen Reinheitsvorstellungen an?

Ja, der Slogan „Best never rest“ klingt nach selten dämlichem Denglisch. Aber nein, die deutsche Sprache wird nicht daran zugrunde gehen, dass sich einige Sportfunktionäre von überdrehten Formulierungsvorschlägen einer Kreativagentur haben Geist und Sinne vernebeln lassen. Der WM-Slogan fällt in die Kategorie „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“: Bizarr misslungenes Englisch soll Modernität signalisieren.

Viel wichtiger scheint, einmal die Auffassung von Sprache zu befragen, die der Verein Deutsche Sprache mit seinem Votum „Sprachpanscher des Jahres“ propagiert. Wer panscht, der verfälscht und verunreinigt. Aber kann es ein Reinheitsgebot für eine Sprache geben?

Die selbst ernannten Sprachhüter leisten der Abgrenzung von anderen Kulturen Vorschub. Das zeigt auch die Formulierung, mit der der Verein Deutsche Sprache seine Kritik an „Best never rest“ begründet. Das Motto klinge nach einem „russischen Englischschüler“. Warum eigentlich russisch? Schlimmer als jedes blöde Denglisch ist die unverhohlene Diskriminierung.


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