Grüne stellen Anfrage im Rat Chance verpasst? Streit um Osnabrücker Beuys-Sammlung

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Der Künstler Joseph Beuys. Foto: Dürrwald/dpaDer Künstler Joseph Beuys. Foto: Dürrwald/dpa

Osnabrück. Kommt es zur kulturpolitischen Kontroverse um die Osnabrücker Beuys-Sammlung? Die Grünen wollen jedenfalls wissen, warum die Kollektion nach Münster ging. Der Kulturdezernent wiegelt unterdessen ab: „Wir sind nicht in der Rechtfertigungsrolle“.

Hat Osnabrück eine Chance verpasst? Davon sprechen jedenfalls die Grünen im Hinblick auf die Kunstsammlung eines Osnabrücker Ehepaares, die kürzlich nach Münster gegangen war. Das Paar hatte dem LWL Museum für Kunst und Kultur eine Kollektion von 150 Multiples von Joseph Beuys (1921–1986) geschenkt. „Wir haben für die Ratssitzung am Dienstag eine Anfrage auf den Weg gebracht“, sagt Sebastian Bracke von den Grünen auf Anfrage. Hier weiterlesen: Filzanzug und Capri-Batterie - Osnabrücker Beuys-Sammlung geht nach Münster.

„Sammlung wurde nicht angeboten“

„Wir sind nicht in der Rechtfertigungsrolle“, wehrt sich unterdessen Kulturdezernent Wolfgang Beckermann. „Die Sammlung wurde städtischen Stellen nicht angeboten“, sagte Beckermann im Gespräch und wies zugleich darauf hin, dass das Münsteraner Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe andere finanzielle und personelle Möglichkeiten als die Osnabrücker Häuser habe. „Etwas Vergleichbares kann eine Stadt unserer Größenordnung nicht bieten“, sagte Beckermann. Hier weiterlesen: Osnabrücker Sammlerpaar schenkt Münster seine Beuys-Kollektion.

„Irritationen und Unklarheiten“

Aber muss das so bleiben? Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen drängt mit der Anfrage im Rat auf Klärung. „Es gibt Irritationen und Unklarheiten darüber, ob Osnabrück im Hinblick auf diese Kunstsammlung nicht hätte aktiv werden können. Wir wollen wissen, wie das gelaufen ist“, sagte Sebastian Bracke, der auch dem Kulturausschuss des Rates vorsteht. Der Name des Künstlers Joseph Beuys garantiere hohe Aufmerksamkeit. „Ich hätte mich über eine Beuys-Ausstellung in Osnabrück gefreut“, so Bracke. Nach seinen Worten wollen die Grünen vor allem danach fragen, inwieweit Osnabrücker Museen die Rahmenbedingungen dafür bieten, Kunstofferten aufnehmen zu können. „Vielleicht müssen die Bedingungen dafür auch überhaupt erst geschaffen werden“, sagte Bracke weiter. Die Antwort der Verwaltung auf die Nachfrage soll, so Sebastian Bracke, eine „sachliche Debatte“ über den Umgang mit möglichen Kunstschenkungen möglich machen. Er finde es „schade“, dass Osnabrück nicht infrage gekommen sei. Hier weiterlesen: Weltkunst in Münster - was sind die Skulptur Projekte?

„Eine visionäre Vorstellung“

Kulturdezernent Wolfgang Beckermann sieht Osnabrück derzeit nicht dafür gerüstet, private Kunstsammlungen im Fall möglicher Schenkungen in seine Museen aufzunehmen. „Das wäre eine visionäre Vorstellung. Zurzeit können wir das nicht“, machte Beckermann klar. Nach seinen Worten wären dafür erhebliche Investitionen erforderlich. „Die Stadt müsste das langfristig anstreben. Dafür wäre aber ein privates Engagement wünschenswert“, sagte Beckermann, der städtische Mittel vor allem durch große Aufgaben wie die anstehende Theatersanierung gebunden sieht. Hier weiterlesen: Weltkunst in Kassel - was ist die Documenta?

Ausstellung in Münster

Das Osnabrücker Sammlerpaar hatte im Frühjahr 2018 seine Beuys-Sammlung dem LWL Museum in Münster geschenkt. Dort wird die Kollektion als bedeutend eingeschätzt. Sie soll ab November im Lichthof des Museums für rund ein Jahr ausgestellt werden. An gleicher Stelle hatte Joseph Beuys 1977 seine Skulptur „Unschlitt / Tallow„ als Beitrag der ersten Münsteraner Skulptur Projekte präsentiert. Nach den Planungen soll die Präsentation mit einem umfangreichen Programm von Vorträgen und Diskussionen begleitet werden. Der Titel: „Beuys sammeln“.


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