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23.08.2018, 18:26 Uhr STREIT UM BERLINER STANDORT

Einheitsdenkmal: Besser die Freiheit leben!

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Seinen Spitznahmen „Einheitswippe“ hat es schon weg: Diese Computergrafik zeigt den gemeinsamen Entwurf der Choreographin Sasha Waltz und der Stuttgarter Szenografen Milla & Partner für das in Berlin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal. Foto: Milla&Partner dpaSeinen Spitznahmen „Einheitswippe“ hat es schon weg: Diese Computergrafik zeigt den gemeinsamen Entwurf der Choreographin Sasha Waltz und der Stuttgarter Szenografen Milla & Partner für das in Berlin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal. Foto: Milla&Partner dpa

Osnabrück. Um das Denkmal zur deutschen Einheit wird wieder gestritten. Kein Wunder. Die „Einheitswippe“ soll ein großes Thema symbolisieren. Dieses Denkmal hat nur eine Chance: Erst als gebaute Wirklichkeit wird es die Menschen überzeugen können.

Obstschale, Bundesbanane: Die Einheitswippe, pardon, noch so ein flapsiges Kosewort, überzeugt kaum jemanden wirklich. Das wäre auch zu viel verlangt. Das Denkmal verfügt heute über keine verbindlichen Themen und Formen mehr. Entsprechend engagiert wird über jedes neue Exemplar gestritten, erst recht dann, wenn es um die ganz großen Themen geht. Hier weiterlesen: Auch er lieferte einen Entwurf für das Einheitsdenkmal: Bildhauer Stephan Balkenhol in der Kunsthalle Emden.

Die Debatte um das Berliner Holocaust-Mahnmal hat dafür das Vorbild geliefert. Zu groß schien die Last des Symbolischen zu sein, die dem Stelenfeld aufgebürdet werden wollte. Inzwischen überzeugt Peter Eisenmans Entwurf auch die Kritiker von einst. Ein großer Erfolg. Hier weiterlesen: Verzögerungen beim Bau des Einheitsdenkmals?

Das Einheitsdenkmal hat nur eine Chance: Es muss Realität werden, um überzeugen zu können. Viele Menschen werden sich an seiner Form weiter reiben. Erst mit der Debatte wird dieses Denkmal zu einem Teil bundesdeutscher Wirklichkeit werden. Das Datum des Baubeginns bleibt zweitrangig. Wichtiger als jedes Einheitsdenkmal ist ohnehin, die Grund- und Freiheitsrechte zu leben und zu schützen. Besser ist das Geschenk des Mauerfalls nicht zu würdigen.


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