Eine Regentin auf der Bühne Tänzerin Mamela Nyamza regt bei der Ruhrtriennale zum Nachdenken an

Von Pedro Obiera

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Schweigend und sich schlangenhaft bewegend, zeigte Tänzerin Mamela Nyamza die Kraft und Schönheit ihres Körpers. Foto: Chris de BeeSchweigend und sich schlangenhaft bewegend, zeigte Tänzerin Mamela Nyamza die Kraft und Schönheit ihres Körpers. Foto: Chris de Bee

Essen Eine kurze, aber intensive Performance im Rahmen der Ruhrtriennale, die ebenso fasziniert wie verstört.

Mamela Nyamza, die südafrikanische Choreografin und Tänzerin, lässt sich auf einem hohen Gerüst auf die kleine, quadratische Spielfläche des Essener PACT Zollvereins schieben: selbstbewusst, den makellos schönen Körper golden eingefärbt, bis auf einen Lendenschurz, ein Hütchen und etlichen Körperschmuck nackt, hoch aufragend wie eine Königin.

Eine beeindruckende Demonstration stolzen Selbstbewusstseins unter dem zweideutigen Titel „Black Privilege“. Und das lässt die schwarze Künstlerin das Publikum auch spüren. Fast regungslos, völlig lautlos, ohne musikalische Kulisse fährt sie an den Zuschauertribünen vorbei wie eine Regentin, die die Huldigungen ihres Publikums scheinbar teilnahmslos entgegennimmt. Ein Diener fordert das weiße Publikum auf, sich zu erheben. Dieses Faktotum, der Dramaturg Nello Pesa, drängt nach 45 Minuten die irritierten Zuschauer unvermittelt und recht grob aus der Halle und unterbindet jede Beifallskundgebung. Das Spiel ist zu Ende. Ist das die Rache schwarzer Künstler an der Arroganz der weißen Unterdrücker-Rasse?

Schwarze Tänzer sollen in Südafrika gesehen werden

Diesen Eindruck hinterlässt die Aufführung, auch wenn Mamela Nyamza im Programmheftchen stärker mit ihren eigenen Landsleuten ins Gericht geht. Während sie außerhalb Afrikas mit großem Interesse wahrgenommen wird, bietet ihr der eigene Kontinent kaum Möglichkeiten, sich zu entfalten. „Ich will, dass schwarze Tänzer und Tänzerinnen in Südafrika gesehen werden“, lautet ihr Motto. Dabei greift sie auch die sozialen Risse auf, die die afrikanischen Gesellschaften belasten.

Von diesem Hintergrund ist in „Black Privilege“ freilich wenig zu sehen, zumindest kaum etwas zu erkennen. Schweigend, sich schlangenhaft wendig und langsam bewegend, zeigt die Tänzerin die Kraft und Schönheit, die von ihrem Körper und ihrem Selbstbewusstsein ausgeht. Es sind Bewegungsformationen in zeitlupenhafter Entschleunigung. Mamela Nyamza ist nicht dem Publikum ausgeliefert, sondern das Publikum dem Anblick des nackten Körpers. Nichts kann davon ablenken, keine Musik, kein Kontrast, kein Partner.

Das beeindruckt, auch wenn die Künstlerin das brüsk aus der Halle geschobene Publikum ratlos zurücklässt. Ein weiterer Beitrag zum afrikanischen Schwerpunkt der Ruhrtriennale, der Anlass gibt, über das längst nicht entspannte Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß nachzudenken.


Ruhrtriennale:

Nächste Aufführung in Essen am 25. August, 20 Uhr. Infos und Tickets unter ruhrtriennale.de.

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