Lauschiges Privatmuseum Warum Liebhaber von Otto Modersohns Landschaften Tecklenburg besuchen sollten

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Das Otto Modersohn Museum Tecklenburg befindet sich in einem Ackerbürgerhaus von 1826. Die Steintreppe, markante Weinlaube und der damals hochmoderne Quaderputz zeugen vom Stolz seiner Erbauer. Foto: Otto Modersohn Museum Tecklenburg/Hermann WillersDas Otto Modersohn Museum Tecklenburg befindet sich in einem Ackerbürgerhaus von 1826. Die Steintreppe, markante Weinlaube und der damals hochmoderne Quaderputz zeugen vom Stolz seiner Erbauer. Foto: Otto Modersohn Museum Tecklenburg/Hermann Willers

Tecklenburg. Den meisten ist Otto Modersohn als Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede bekannt, in der seine expressiven Moorbilder entstanden. Doch schon in Tecklenburg entdeckte der Künstler seine Berufung zur Landschaftsmalerei. Hier zeigt das lauschige Otto-Modersohn-Museum sein Frühwerk.

Über eine steinerne Treppe und durch eine Weinlaube hindurch gelangt der Besucher in das Otto Modersohn Museum Tecklenburg. In den hellen, weißen Räumen ist es ruhig, während sich auf dem sonnigen Marktplatz Spaziergänger, Kaffeehausbesucher und Touristen tummeln. Vom Innern geht der Blick in den romantischen Garten mit kleinem Pavillon, Steinmauern und Buchsbaumhecken. Auf einer kleinen Bank kann man Platz nehmen und den Blick über die kleinen Rosenbeete und alten Weinstöcke schweifen lassen.

Im Hinterhof des ehemaligen Bürgerhauses versteckt sich ein lauschiger Rosengarten mit Pavillon, Steinmauern und alten Weinstöcken. Sein Zustand von der Jahrhundertwende wurde rekonstruiert. Foto: Claudia Scholz

Das Otto Modersohn Museum ist mit dem persönlichen Lebensweg des westfälischen Künstlers verknüpft. Der Maler hatte in Tecklenburg Verwandtschaft. In den Jahren 1888 bis 1892 besuchte er seinen älteren Bruder, der in dem Ort Amtsrichter war und ein stattliches Haus direkt am Markt, das heutige „Haus des Gastes“ bewohnte, unmittelbar neben dem Museum. Wohl fünfmal bezog der in Soest geborene Künstler hier für kürzere oder längere Zeit Quartier, während er seit 1884 an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte.

In den eleganten, hellen Räumen kommt der Besucher zur Ruhe, während sich auf dem Tecklenburger Marktplatz Spaziergänger und Freilichtbühnenbesucher tummeln. Foto: Otto Modersohn Museums Tecklenburg/Hermann Willers

In seiner Jugend liebte der Landschaftsmaler Modersohn die alte Stadt Tecklenburg und ihre hügelige Umgebung. Modersohn schwärmte in Tagebucheinträgen von den Stimmungen: „Ich war fast den ganzen Tag draußen. Die Gegend zog mich ungemein an (…) Wunderwerk waren die Abend zumeist, wenn ich am Schlossberg stand, so still, so klar, so feierlich, wie da die Natur war; da konnte ich lange Zeit, gewissermaßen starr und stumm vor Entzücken, dastehen.“

Hier entstanden einige Gemälde, die seine weitgehende Loslösung von der traditionellen, naturgetreuen Darstellung der Landschaft zeigen. Hier verwirklichte er seinen früh gefassten Vorsatz: „Eine Kunst, die über das optische Sehen fast hinausgreift und den Gehalt, die Eigenschaft der Dinge erreichen will, ist mein Ideal.“ Bereits früh revoltierte der Kunststudent gegen die Lehren seiner Professoren an der Düsseldorfer Akademie. Schon mit 21 Jahren war sich der Einzelgänger sicher über die große Bedeutung der subjektiven Empfindung in der Malerei: „Leitet mich bei der Wahl der Motive und Stimmungen mein poetisches Gefühl für die Natur, so muss der Erfolg ein schöner sein.“ Später nannte Rainer Maria Rilke ihn den Malerpoeten.

Mit 26 Jahren malte Otto Modersohn das Bild „Tümpel in Tecklenburg“ 1891. Die Wiese mit Frühlingsblumen, die frisch gepflügten Äcker, die Bäume – alles scheint zu schwingen. Foto: Otto Modersohn Museum Tecklenburg

Sein Bild „Tümpel in Tecklenburg“, das heute im Museum hängt, malte Modersohn mit 26 Jahren. Mit bewegungsvollem Pinsel hat er die dünnflüssige Ölfarbe hingezeichnet, hingewischt und –getupft. Die Wiese mit Frühlingsblumen, die frisch gepflügten Äcker, die Bäume – alles scheint zu schwingen. Von seinen Kunstprofessoren wurde er für solche „planlosen“ und nicht „vollendeten“ Bilder kritisiert.

Immer hatte er in Tecklenburg ein Skizzenbuch zur Hand. Das Skizzenhafte und halb Zufällige des Farbauftrags kennzeichnet auch viele Gemälde, die im Tecklenburger Museum hängen. Modersohn erfreut sich an kleinen Motiven wie Bäumen, Hütten, Hecken, Wiesen, Kirchtürmen. Die meisten sind kleinformatige Bilder, einige wirken wie schnell hingeworfene Ölskizzen, unter denen noch der ockerfarbene Malgrund durchblitzt. 

Im Frühjahr 1891 zeichnete Modersohn einige Studien in der Nähe der Tecklenburger Burgruine und malte freie, schnell hingeworfene Studien von der Natur. Foto: Otto Modersohn Museum Tecklenburg

Andere Landschaftsansichten sind fein und detailreich ausgeführt wie das Bild des friedlich in Schnee versunkenen Tecklenburg von 1892. Seine Bilder von der Burgruine wirken mal düster, mal geheimnisvoll. Dagegen stehen die heiteren Frühlingsstimmungen. Es sind kleine Momentaufnahmen einer sehr idyllischen, friedlichen Landschaft. Diese Eindrücke kann man als Besucher bei einem Spaziergang durch den Ort noch an vielen Stellen, zum Beispiel im Kurpark oder an der Burgruine nachempfinden.

Otto Modersohn als junger Student der Kunstakademie Düsseldorf 1885. Foto: Otto Modersohn Museum Tecklenburg

Die Initiative zur Gründung des Otto Modersohn Museums Tecklenburg ging von einem Tecklenburger Bürgerbündnis und den Nachkommen des Künstlers aus, die in Fischerhude bei Bremen das erste Modersohn Museum führen. Aus dessen Bestand steuerte die Enkelin des Künstlers, Antje Modersohn, die meisten Frühwerke aus Tecklenburg als Leihgaben zu den wechselnden Ausstellungen bei. bei. Weitere Werke kamen aus Privatbesitz und in Form von Dauerleihgaben des Kreises Steinfurt dazu. Ein lokaler Unternehmer erwarb das denkmalgeschützte Bürgerhaus mit den auffälligen grünen Fensterläden und stellte es nach einer aufwendigen Restaurierung dem Museum zur Verfügung. Johannes Modersohn, Bruder der Malerenkelin und Architekt, plante den Umbau. Seit der Eröffnung im Oktober 2015 unterstützt der anonyme Mäzen dessen Erhalt. Das Museum finanziert sich ausschließlich privat, auch über Spenden, Führungen und die Beiträge der 250 Mitglieder des gleichnamigen Förderkreises.


Ein wohlhabender Tecklenburger Unternehmer unterstützt das Privatmuseum finanziell. Foto: Claudia Scholz


Mit Blei eingefasste Familienembleme am Fenster hinter der Kasse zeugen noch von den gut bürgerlichen Bewohnern des Hauses, die sich hier verewigt haben. Im Museumsshop sieht der Besucher noch oben an der Decke den Teil einer Treppe, sie ist halb verrußt und zeigt, dass hier früher Küche und Kamin waren. Auch ein gemaltes Fries, das unter dem Putz zum Vorschein kam, wurde erhalten. Dort, wo im Galerieraum eine elegante Nische zu sehen ist, stand früher ein Kachelofen. Gleich im Museumseingang fallen die alten Fliesen des Bürgerhauses auf. Im oberen Stockwerk sieht man noch die Innenmauern, mit grob gehauenen Steinen von der ehemaligen Burg des Ortes.


Mit Blei eingefasste Familienembleme am Fenster hinter der Kasse zeugen noch von den gut bürgerlichen Bewohnern des Hauses, die sich hier verewigt haben. Foto: Claudia Scholz

Nachdem sich Modersohn in Worpswede niedergelassen hatte, folgten drei weitere produktive Aufenthalte in dem westfälischen Dorf. Im Frühjahr 1892 kam Modersohn zusammen mit seinen Kollegen der Künstlerkolonie nach Tecklenburg. Zu dem Zeitpunkt gab er den Gedanken auf, sich in Westfalen statt in Worpswede niederzulassen – trotz vielfältiger Kontakte zur heimischen Bevölkerung, aus denen auch der Auftrag für zwei Bilder mit Ansichten der Stadt resultierte, die Modersohn im Juli 1892 fertigstellte. Jedoch war auch die Beziehung des Malers zu seinem Bruder und dessen Frau problematisch, es gab oft Streit, auch über seinen Lebensstil als Künstler. 


Bei einem Spaziergang kann man manche von Otto Modersohns Stimmungen nachempfinden, zum Beispiel im Kurpark mit Blick auf Tecklenburg. Foto: Claudia Scholz

Ein Jahrzehnt später heiratete Modersohn die damals 25-jährige Paula Becker, wird ihr Förderer und Kritiker. Obwohl Paula Modersohn-Becker zu Lebzeiten nur wenige Bilder verkauft, steht der Landschaftsmaler Otto Modersohn, dessen Werk auf rund 12.000 Bilder geschätzt wird, bis heute im Schatten seiner zweiten Frau. Dem will das Otto Modersohn Museum in Tecklenburg entgegenwirken und durch wechselnde Ausstellung die Erinnerung an den bekannten Landschaftsmaler auch in der Region aufrecht erhalten.


Ab dem 1. September 2018 zeigt das Privatmuseum frühe Werke von Otto Modersohn aus Worpswede. Foto: Otto Modersohn Museum Tecklenburg



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