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21.08.2018, 18:06 Uhr NACHLASS DER DICHTERIN NACH MÜNSTER

Droste-Hülshoff 2.0: Das neue Leben einer Dichterin

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Im Münsteraner Rüschhaus hängt dieses zeitgenössische Fotoporträt der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Jörn MartensIm Münsteraner Rüschhaus hängt dieses zeitgenössische Fotoporträt der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Jörn Martens

Münster. Der Nachlass der Annette von Droste-Hülshoff kommt nach Westfalen. Das klingt nach trockenem Verwaltungsakt. In Wirklichkeit geht es um die digitale Zukunft der Dichterin, deren Porträt einst den 20-DM-Schein zierte.

Archivkartons, darin vergilbte Papiere, die nur wenige Fachleute mit weißen Handschuhen anfassen dürfen: Der Meersburger Nachlass der Annette von Droste-Hülshoff wirkt auf den ersten Blick wie ein Schatz für wenige Eingeweihte. Jetzt ist er mit der Übergabe von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an das Westfälische Literaturarchiv von einer Bibliothek in eine andere gewandert. Nur ein Verwaltungsakt?

Nein, denn die Transaktion gehört in einen größeren Kontext. Westfalen formiert sich als literarische Landschaft neu. Die Zeit der einsamen Forscher, die hinter verschlossenen Türen in lebenslanger Arbeit über Dichterhandschriften brüteten, ist vorbei. Texte wie der Meersburger Nachlass der Droste werden nun von Fachleuten im Verbund bearbeitet und ins Netz gestellt. Das verändert den Blick auf literarische Texte grundlegend.

Die Burg Hülshoff, Geburtsort der Droste, ist schon in ein modernes Literaturzentrum umgestaltet worden. Die Texte der Dichterin kommen ins Netz, werden ausgestellt. Junge Autorinnen haben die westfälische Dichterin längst neu entdeckt. In Westfalen wird vorgeführt, wie das literarische Erbe den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen kann. Die Droste ist dabei. Bestens.


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