Spike Lees clevere Satire über Rassismus "BlacKkKlansman": Wie ein Schwarzer den Ku-Klux-Klan infiltrierte

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Flip Zimmerman (Adam Driver, l.) und Ron Stallworth (John David Washington) schleusen sich erfolgreich in die Ortsgruppe des Ku-Klux-Klans ein. "BlacKkKlansman". Foto: Universal/David LeeFlip Zimmerman (Adam Driver, l.) und Ron Stallworth (John David Washington) schleusen sich erfolgreich in die Ortsgruppe des Ku-Klux-Klans ein. "BlacKkKlansman". Foto: Universal/David Lee

Osnabrück. In seinem neuen Film „BlacKkKlansman“ orientiert sich Spike Lee an der wahren Geschichte eines afroamerikanischen Polizisten, der in den 1970er Jahren gemeinsam mit Hilfe eines weißen Kollegen den Ku-Klux-Klan unterwanderte. Hinter der Filmsatire steckt eine ernste Warnung an unsere Gegenwart.

Es gibt Geschichten, die sind auf den ersten Blick zu bizarr, als dass sie sich jemand ausdenken könnte. So verhält es sich auch mit dem wahren Fall hinter Spike Lees neuestem Kinofilm „BlacKkKlansman“, der in Cannes nicht nur den Großen Preis der Jury, sondern auch minutenlange stehende Ovationen erhielt.

Hinter dem Film steckt die reale Geschichte von Ron Stallworth, dem ersten afroamerikanischen Polizeibeamten im Colorado Springs Police Department. Seinem Wunsch, als Undercover-Agent zu arbeiten, wird zunächst dadurch Rechnung getragen, dass er auf die Black Student Union und ihren Anführer Stokely Carmichael alias Kwame Ture angesetzt wird. 1978 beginnt Stallworth dann mithilfe eines weißen Kollegen, den Ku-Klux-Klan (KKK) zu infiltrieren und mehrere Sprengstoffanschläge zu verhindern.

Grundlage für Lees Film ist Stallworths Autobiografie „Black Klansman“. Als Regisseur und Koautor hat Lee nun die dort beschriebenen Ereignisse von 1978 ins Jahr 1972, dem Jahr der Wiederwahl von Richard Nixon, vorverlegt. Eine Ära, in der Rassismus und rechtsradikale Tendenzen noch immer statt schon wieder hoffähig waren.

In „BlacKkKlansman“ stößt der von John David Washington mit viel Witz und Chuzpe gespielte Stallworth spontan auf Gehör beim örtlichen KKK-Chef, als er ihm sein vorgeblich rassistisches Weltbild am Telefon vorgaukelt. Da er aus naheliegenden Gründen selber nicht persönlich zu einem Treffen kommen kann, übernimmt sein weißer, jüdischer Kollege Flip Zimmerman (Adam Driver) diesen Part.

Regisseur Lee erzählt die Geschichte des „BlacKkKlansman“ über weite Strecken als leichthändig inszeniertes Husarenstück, das beinahe schon in Verdacht geraten könnte, in Richtung Wohlfühlfilmchen abzudriften. Aber natürlich nicht mit Spike Lee.

Er bezieht politisch eindeutig Stellung und schlägt einen weiten historischen Bogen vom US-amerikanischen Bürgerkrieg bis zur heutigen Situation unter Präsident Trump. Um das zu verdeutlichen, stellt Lee seinem Film eine ikonische Sequenz aus „Vom Winde verweht“ voran, in der hunderte Soldaten der Südstaatenarmee nach verlorener Schlacht verwundet am Boden liegen. Aber der weiße Mann, so kommentiert direkt im Anschluss Alec Baldwin in der Rolle eines fiktiven rassistischen Pseudowissenschaftlers, habe nur eine Schlacht, nicht jedoch den Krieg gewonnen.

Hintergründig geht es Lee um die von rechten Gruppierungen vorangetriebene Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft, die er verbittert und auch ein wenig ratlos zur Kenntnis nimmt. Zur Verdeutlichung seines ernsten Anliegens hinter der Filmsatire lässt Lee "BlacKkKlansman" mit brutalen Originalaufnahmen aus Charlottesville enden – garniert mit einem von vielen unsäglichen Trump-Zitaten, in denen der US-Präsident aus Dummheit oder Berechnung ultrarechte Ideologien unterstützt. So ist „BlacKkKlansman“ auch als verzweifelte Warnung an uns und unsere Gegenwart zu verstehen. Nein, Faschismus und Rassismus sind keine Launen der Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Sie finden gerade statt.

BlacKkKlansman. USA 2018. R.: Spike Lee. D.: John David Washington, Adam Driver, Laura Harrier, Topher Grace. Laufzeit: 136 Minuten. FSK: ab 12. Cinema Arthouse.


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