Landleben in der Normandie Komödie "Ein Dorf zieht blank": Nackte Tatsachen auf dem Lande

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Bäuerlicher Protest: François Cluzet als Bügermeister einer Gemeinde in der Normandie.Bäuerlicher Protest: François Cluzet als Bügermeister einer Gemeinde in der Normandie.

Osnabrück. Die Komödie "Ein Dorf zieht blank" hinterfragt die angebliche Landidylle . Eine gelungene Komödie über das Dorfleben.

Dieser Protest stinkt. Wütend blockieren Bauern aus der Normandie eine wichtige Autostraße mit Abfällen aus ihren Betrieben. Der Grund: Der Preisverfall ihrer Produkte durch die Billigkonkurrenz. Georges „Balbu“ Balbuzard (François Cluzet), der patente Bürgermeister des 600 Seelen-Dorfes Mêle-sur-Sarthe, führt die Aktion an. Doch leider ist den TV-Nachrichten der Protest nur eine Kurzmeldung wert. Eine verlorene Schlacht also?

Vielleicht nicht ganz. Rettung erreicht die Protestler durch den renommierten US-Fotokünstler Newman („Berberian Sound Studio“-Star Toby Jones). Er will die Dorfbewohner auf einem bestimmten Feld posieren lassen – nackt!

Blank sein und blank ziehen sozusagen. Doch wird das Foto tatsächlich die nötige Aufmerksamkeit auf ihre Probleme lenken? Und: Werden auch genug der teilweise prüden Dorfbewohner mitmachen? Oder wird die Aktion zur Zerreißprobe werden? So etwa zwischen Nachbarn, die sich um den rechtmäßigen Besitz der Wiese, die als Motiv auserkoren wurde, streiten?

Nein, anders als die Werbung suggeriert, ist „Ein Dorf zieht blank“ keiner dieser verschämt witzigen „Feel Good“-Filme wie zu Dutzenden entstehen. Zwar ist „Normandie nue“ (so der Originaltitel) ein Unterhaltungsfilm reinsten Wassers - und nicht der schlechteste, aber immerhin einer der nicht jeden Widerspruch auflöst. Etwa die Auswirkungen der Fleischzucht auf das Klima, die Bigotterie streng katholischer Menschen, die Erpressbarkeit kleiner Gemeinden durch große Konzerne, die Tatsache, dass auch verpestete Stadtluft frei machen kann, oder er verweist auf den traurigen Umstand, dass sich jedes Jahr mehrere Landwirte aufgrund ihrer prekären Lage das Leben nehmen. Genug Stoff für einen "Problemfilm" also.

Zwar ist Regisseur und Co-Autor Philippe Le Guay („Moliere auf dem Fahrrad“) damit nah dran am realen Leben,  weiß aber auch geschickt Pointen zu setzen und Gefühle zu wecken. Vor allem erzählt eine mitunter mäandernde  Geschichte über das Leben in der Provinz, wo Landlust und -frust nahe beieinander liegen, und das Globale längst das Lokale erreicht hat. Und sei es nur bei einem alten Fotoladen mit seiner analogen Technik.. 

Eine Geschichte über die heimatliche Scholle also, aber gewiss nicht hinterwäldnerisch .  


„Ein Dorf zieht blank“. F 2018. R: Philippe Le Guay. D.: François Cluzet, Toby Jones, François-Xavier Demaison. 110 Minuten. FSK: ab 12.

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