Geckenhafte Geschöpfe Hartmannshof in Versmold präsentiert abstrakte Formen und Handtaschenvögel

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Versmold Zwei Künstler, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, stellen ihre Arbeiten im Hartmannshof in Versmold aus. Sie gehören zu einer Gruppe von Künstlern, die von der Heinrich W. Risken Stiftung gefördert werden.

Kein Schild, kein Hinweis. Nur zwei Pfeiler lassen erahnen, dass es sich hier um die richtige Einfahrt zum Hartmannshof handelt. Nach wenigen hundert Metern öffnet sich der Blick auf das frisch renovierte Anwesen mit mehreren Gebäuden, in dem Kunst präsentiert wird. Die Heinrich W. Risken Stiftung hat sich hier niedergelassen, die sich zum Ziel gesetzt hat, Kunst und Kultur, Heimatpflege, Heimatkunde und Artenschutz zu fördern.

Zwei der Künstler, die umfassend von der Stiftung unterstützt werden, sind Maggy Kaiser und Georg Wittwer. Bis September ist im Hof eine umfangreiche Auswahl an Exponaten von den beiden zu besichtigen, die unterschiedlicher nicht sein können: Hier blicken einen die seltsamen Vögel an, die früher einmal Handtaschen waren, dort prunken in kräftigen Farben auf Leinwand gemalte, abstrakte geometrische Formen.

Vögel mit Mini-Pumps

„Bagbirds“ nennt Wittwer seine Vögel, die er aus unterschiedlichen Materialien zusammensetzt: Den Körper bildenbillige, modische Handtaschen, denen er mit altem Schrott Köpfe und Extremitäten verpasst. Mit diversen Utensilien wie Haarbändern, Ohrringen und Ketten, die Wittwer in Ein-Euro-Shops auftreibt, peppt er seine Kreaturen zu knallbunten, geckenhaften Geschöpfen auf, die einen schrillen Kontrast zu dem ländlichen, natürlichen Ambiente des Fachwerkhauses bildet, in dem sie jetzt residieren.

Besonders die extravaganten Mini-Pumps, die er seinen Handtaschenvögeln anzieht, erregen die Neugier des Betrachters. Diese findet der Künstler in Billigläden, weil sich eine amerikanische Tradition hier bei uns nicht durchsetzen konnte: In den USA werden in solchen Miniaturschuhen bei der Hochzeitszeremonie die Eheringe überreicht. Bei Wittwer werden die grellen Schuhe zum Symbol für Modewahnsinn und Konsumverirrung. Dass er seine Objekte aus den Dingen formt, die unsere Wegwerfgesellschaft im Überfluss produziert, beweisen seine Schafe, deren Körper aus alten Plastikkanistern gemacht sind, und skurrile Pfauen, deren Räder aus den Typenhebeln einer Schreibmaschine bestehen.

Große Formate und kräftige Farben

In einem freistehenden Gebäude, dem ehemaligen Schweinestall des Hartmannshofes, taucht man derweil in die Welt der Malerei ein. Maggy Kaiser heißt die gebürtige Elsässerin, die zu der Gruppe von Künstlern gehört, deren Arbeiten die Heinrich W. Risken Stiftung sammelt, inventarisiert, kunsthistorisch aufarbeitet und der Öffentlichkeit präsentiert.

Nur wenige Bilder, Stillleben und Städteansichten dokumentieren das Frühwerk der 95-Jährigen, derweil der Großteil der Exponate aus der Zeit stammen, als Kaiser sich der abstrakten Malerei widmete, die sie in großen Formaten und kräftigen Farben auf die Leinwand brachte. Zuletzt änderte sie ihren Stil, indem sie den Bilduntergrund horizontal strukturierte, auf dem sie die Primärflächen in ihrer Geometrie freier gestaltete.


Hartmannshof Versmold (Alter Salzweg 34):

Die Heinrich W. Risken Stiftung zeigt Malerei von Maggy Kaiser und Objekte von Georg Wittwer. Bis 30. September, samstags nur nach Anmeldung. Führungen Freitag bis Sonntag, 11-17 Uhr, nach Absprache unter Tel. 05424/299245.

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