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13.08.2018, 17:10 Uhr KOMMENTAR

„Outsider Art“ oder einfach: Die Kunst der Anderen?

Kommentar von Ralf Döring

Beeindruckend: „Athosland“  von dem kognitiv beeinträchtigten Künstler Michael Golz. Das „Athosland“ sind mit der Hand gezeichnete Kartenprojekte.  Foto: Ursula Düren/dpaBeeindruckend: „Athosland“ von dem kognitiv beeinträchtigten Künstler Michael Golz. Das „Athosland“ sind mit der Hand gezeichnete Kartenprojekte. Foto: Ursula Düren/dpa

Osnabrück. Ist „Outsider Art“ der neueste Hype in der Kunstwelt? Nein. Das Phänomen ist Jahrzehnte alt, die Begrifflichkeit längst überholt. Ein Kommentar.

Die Welt der Kunst giert nach Neuem, und je schneller sich das Karussell dreht, desto häufiger braucht es einen Energieschub. Gerade wird die „Outsider Art“ neue entdeckt: Kunst von Künstlern, die nach gängigen Bewertungen als „behindert“ gelten. Dabei operiert die Kunstwelt mit Begrifflichkeiten von gestern.

Oft genug ist der Künstler ein Außenseiter; manche pflegen den Bruch mit Konventionen als Attitüde, manche leben ihre Kunst so intensiv, dass sie weiter außerhalb der bürgerlichen Ordnung stehen, als es ein „Behinderter“ jemals kann. Ohnehin hat sich unser Begriff von „Behinderung“ gewandelt: Menschen mit Downsyndrom empfinden wir als anders, aber nicht mehr als „behindert“ im Sinne von krank. Natürlich erschaffen diese Menschen ernsthafte Kunst.

Trotzdem ist es schwierig, in der Einzigartigkeit die Normalität zu erkennen – ein Preis wie der Euward für Menschen mit Behinderung ist da sicher hilfreich. In jedem Fall aber erschließen sich Kunstwerke jedem Betrachter sehr individuell, und das auch unabhängig vom Schöpfer. Denn Kunst ist per se „Outsider Art“.


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