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09.08.2018, 18:12 Uhr KOMMENTAR

Oscars werden reformiert: Abschied vom Anspruch

Kommentar von Daniel Benedict

In diesem Jahr wurden die Oscars zum 90. Mal verliehen. Foto: dpaIn diesem Jahr wurden die Oscars zum 90. Mal verliehen. Foto: dpa

Berlin. Die Oscar-Akademie plant, die berühmte Preisverleihung zu reformieren: Sie soll kürzer werden und auch einen neuen Preis eigens für populäre Filme bekommen. Ein Kommentar.

Die Oscar-Academy hat viel zu tun. Über eine tief greifende Selbsterneuerung muss sie zu einer Oscar-Nacht finden, die auch die Leistung von Frauen, Afro-Amerikanern, Latinos und Asiaten wahrnimmt. Außerdem stellt sich mit dem Einfluss der Streamingdienste die Frage, was Film in Zukunft überhaupt sein soll. Wäre Scorseses „Irishman“ auch dann Oscar-würdig, wenn Netflix ihn nur in Los Angeles auf der Leinwand, sonst aber nur Abonnenten seines Dienstes zeigte?

Angesichts dieser Agenda erstaunt, worum der neue Academy-Präsident John Bailey sich derzeit kümmert: ums Geld. Um die TV-Quoten der Oscar-Nacht zu verbessern, will er die Show popularisieren, die heilige Best-PictureKategorie mit einem Blockbuster-Preis aufweichen und ganze Filmgewerke düpieren, indem er die Preise der Nebenkategorien in die Werbepause verbannt. Das ist schäbig. Aus deutscher Sicht macht noch etwas Sorge: Wenn die Academy die Oscar-Nacht vorverlegt, hat die Berlinale ein Problem. Die läuft ebenfalls Anfang Februar und kriegt nun einen mächtigen Konkurrenten um Aufmerksamkeit und um Stars.


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