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09.08.2018, 07:44 Uhr KOMMENTAR

Aus der Zeit gefallen: Wiedergeburt der kyrillischen Schrift

Kommentar von Andre Pottebaum

„Partnerschaft für die Zukunft“ steht in kyrillischer Schrift auf einem großen Plakat mit den Nationalfahnen von Russland und Serbien. In Behörden, Universitäten und Schulen in Serbien darf nur noch das kyrillische Schriftsystem verwendet werden, ansonsten drohen Geldstrafen. Foto: dpa/Thomas Brey„Partnerschaft für die Zukunft“ steht in kyrillischer Schrift auf einem großen Plakat mit den Nationalfahnen von Russland und Serbien. In Behörden, Universitäten und Schulen in Serbien darf nur noch das kyrillische Schriftsystem verwendet werden, ansonsten drohen Geldstrafen. Foto: dpa/Thomas Brey

Osnabrück. Mit drakonischen Strafen will die serbische Regierung die kyrillische Schrift am Leben erhalten. Für die Jugend wirkt das Vorhaben uncool und bieder. Und doch geht es um mehr, als um ein einfaches Gesetz. Ein Kommentar.

In Zeiten der Europäisierung und Digitalisierung versucht die serbische Führung, mit der Wiedergeburt der kyrillischen Schrift der anhaltenden Öffnung im eigenen Land zu begegnen. Doch das noble Vorhaben, ein Stück slawischer Kultur zu bewahren, entspricht kaum mehr als einem plumpen Versuch, dem eigenen nationalistischen Anspruch gerecht zu werden. Damit reiht sich das Land im Zentrum des Balkans in eine erschreckende Entwicklung ein, die in Staaten wie Ungarn und Polen längst gegenwärtig ist: Abschottung statt Liberalisierung.

Der kleinstaatliche Nationalismus, den die serbische Regierung mit ihrem Vorstoß betreibt, ist ein gefährlicher Balanceakt zwischen Tradition und Moderne. Mit Blick auf die laufenden Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wirken die drastischen Sanktionen und die möglichen Verbote ausländischer Sprachen wie aus einer anderen Zeit. Das dürfte nicht nur dem Zeitgeist der Europäischen Gemeinschaft widersprechen, sondern auch dem Verständnis der jungen serbischen Bevölkerung, die sich längt der westlichen Welt angenähert hat.


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