Neu im Kino "The Meg": Ein ganzer Kerl dank Haifisch-Suppe

Von Daniel Benedict

Ein ganzer Kerl dank Haifisch-Suppe: Jason Statham erobert sich im Kampf mit der Bestie seine Männlichkeit zurück. Foto: WarnerEin ganzer Kerl dank Haifisch-Suppe: Jason Statham erobert sich im Kampf mit der Bestie seine Männlichkeit zurück. Foto: Warner

Berlin. Jason Statham gegen den Urzeithai: Das Gruseligste an "The Meg" ist nicht das Monster, sondern der Männlichkeitsbegriff.

Mit einem Blockbuster-Budget schickt Jon Turtletaub seinen Haifisch-Horror "The Meg" (Start 9. August 2018) ins Kino. Wie gut ist der Film mit Jason Statham?




Worum geht es in "The Meg"?

Durch eine Kaltwasserschicht vom Rest der Welt getrennt, hat eine Urzeit-Bestie am Meeresgrund die Jahrmillionen überdauert: der Megalodon, ein nur vermeintlich ausgestorbener 20-Meter-Hai. Versehentlich öffnen Ozeanologen ihm einen Korridor, das Untier bricht aus, und Regisseur Jon Turtletaub darf rund 150 Millionen Dollar ausgeben, um das folgende Gefecht zwischen Mensch und Monster in Szene zu setzen.

Eins der wenigen bleibenden Bilder des Films zählt allerdings zu den preiswerteren: Ganz am Ende, als der Hai endlich mit den Forschern fertig ist und die unbeteiligten Schwimmer einer Badebucht attackiert, paddelt ein Yorkshire-Terrier im Wasser. Das nasse Schwänzchen ragt steil aus den Wellen, da baut sich vor dem Hund die mächtige Rückenflosse auf. Ein einziger Gag illustriert die Konfrontation einer überzüchteten Zivilisation mit den Urgewalten der Natur und hält auch noch die Balance zwischen Grauen und bösem Humor. Gerade das ist keine leichte Aufgabe: Kein anderes Genre ist in der Selbstparodie weiter gegangen als der Hai-Horror. Eine Woche nach dem Start von „The Meg“ zeigt der US-Sender Syfy den sechsten und letzten Teil seiner „Sharknado“-Reihe.  (Sommer-Blockbuster: So gut ist "Ant-Man and the Wasp")


Wie parodistisch ist "The Meg"?

Auch Jon Turtletaub setzt in seinem Blockbuster auf Humor, auch wenn der meist moralisch gefärbt ist: Ein Fischer, der Haien bei lebendigen Leib die Flossen abtrennt, endet genauso wie sein Fang; man sieht von ihm nicht mehr als den abgebissenen Arm. Auch der skrupellose Milliardär, der die Forschungsmission finanziert hatte, stirbt in einer lakonischen Pointe. Und als der Megalodon am Ende besiegt ist, beendet Turtletaub den Film in Schönschrift mit dem französischen Wort „Fin“.


Ein ganzer Kerl dank Riesen-Hai

Das einzige Problem dabei: Die humoristische Leichtigkeit verträgt sich weder mit dem Gewicht eines so gewaltigen Etats noch mit dem Männlichkeitsbegriff des Hauptdarstellers: Jason Statham spielt Jonas Taylor, einen Experten für maritime Rettungsmissionen, der eine Vorgeschichte mit dem Megalodon hat. Vor Jahren war er ihm schon einmal begegnet, bei einem Einsatz, der für den Profi in der Demütigung endete: Dass er damals nicht alle havarierten U-Bootfahrer retten konnte, hat ihm die ungerechte Kritik seiner Auftraggeber eingehandelt. Und seine Beobachtung eines Unterwasser-Monstrums wurde als psychotische Reaktion auf den Druck der Tiefsee gedeutet. Mehr gekränkt als traumatisiert, hat er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen – bis der Meg wiederauftaucht und Taylors Ex-Frau zu den Tauchern gehört, die der Haifisch bedroht. Im Kern erzählt „The Meg“ also von einem alternden Draufgänger, der sich noch einmal als Mann fühlen darf. Wie ernst Jon Turtletaub den verletzten Stolz nimmt, zeigt schon am Anfang eine sehr gestrige Szene, in der Taylor an Bord die ärztliche Pflichtuntersuchung verweigert – um sich dann in immer neuen Tauchgängen kalt lächelnd dem Revolvergebiss des Megalodon zu stellen.  ("Hotel Artemis": Wie gut ist der Gangster-Film?)


Wo bleibt das Grauen?

Tatsächlich ist sein Einsatz nicht einmal das größte Opfer der Geschichte: Wiederholt gehen Crew-Mitglieder bewusst in den Tod, um andere zu retten. Betroffenheit darüber kommt nie auf, auch weil stereotyp gezeichnete Nebenfiguren wie der Buddy-Charakter „DJ“ ihre Panik in lässige Sprüche verpacken. Und das ist das Hauptproblem von „The Meg“: In seiner Begeisterung für den tollkühnen Helden gelingt es ihm fast nie, eine wirkliche bedrohliche Stimmung aufzubauen. Weil der Hai nur dazu dient, Taylors Größe zu beweisen, fühlt man sich selbst im Kino nie klein und verlassen. Vielleicht sollte man den Film ganz einfach noch einmal drehen. Diesmal aus der Perspektive des Terriers.

„The Meg“. USA 2018. R: Jon Turteltaub. D: Jason Statham, Li Bingbing, Rainn Wilson, Ruby Rose. 114 Minuten, ab 12 Jahren.


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