Herz-Schmerz im Ärmelkanal Die Liebe in Nachkriegszeiten auf Guernsey

Von Tobias Sunderdiek

Die Liebe in Zeiten des Nachkrieges: Lily James und Michael Huisman in "Deine Juliet".Die Liebe in Zeiten des Nachkrieges: Lily James und Michael Huisman in "Deine Juliet".

Osnabrück. Lily James besucht als Londoner Autorin in Mike Newells "Deine Juliet" einen ungewöhnlichen Literaturclub auf Guernsey.

Es waren magere Zeiten damals, 1946, nach dem Krieg. Lebensmittelkarten regelten die karge Ernährung, die Städte waren zerbombt. In dieser Zeit reist die erfolgreiche Londoner Schriftstellerin Juliet Ashton („Cinderella“-Darstellerin Lily James) auf die Ärmelkanalinsel Guernsey. Dort hatte sich unter der deutschen Besatzung der „Guernsey Buch- und Kartoffelschalen-Auflauf-Club“ (so der übersetzte Originaltitel) gebildet, worüber die junge Autorin mehr erfahren will. Bei ihren Recherchen kommt sie jedoch einem Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur. Teile der Dorfbevölkerung reagieren darauf empfindlich. Schließlich reißen die Nachforschungen alte Wunden auf. Und auch privat hat Juliets Besuch Folgen – sie muss sich zwischen dem feschen Handwerker und Schweinehirten Dawsey (Michael Huisman) und ihrem Verlobten, dem reichen Amerikaner Markham (Glen Powell), entscheiden.

Herz reimt sich eindeutig auf Schmerz, und es gibt Landschaftsaufnahmen, die die nostalgische Idylle wie eine Postkarte illustrieren. Die Verfilmung eines erfolgreichen Briefromans von Mary Ann Shaffer und ihrer Nichte Annie Barrows folgt den Mustern eines Kinos, das niemanden weh tun will, wohltemperiert auf der Klaviatur behaupteter Gefühle spielt, und reichlich Stereotype bedient – vor allem solche, die als „typisch britisch“ gelten. 

Regie führte der englische Durchschnittsroutinier Mike Newell, der nicht nur „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1994) inszenierte, sondern auch parfümierten Kitsch wie „Verzauberter April“ (1991), Blockbuster-Schrott à la „Prince of Persia“ (2010) oder einen der „Harry Potter“-Filme.  

„Deine Juliet“ dauert gut zwei Stunden, was vor allem eins heißt: Der Film ist ein breit ausgespieltes Melodram, dass weder elegisch noch eloquent ist, sondern schlichtweg zu lang. Kommt hinzu, dass vor allem die rehäugige Hauptdarstellerin besonders affektiert spielt, das Ende überraschungsfrei bleibt, und das Ganze, wie meist bei mittelmäßigen Filmen, mit einem penetranten und aufdringlichen Musikteppich unterlegt ist.

Damit der Film gefährlich nah an dem, was das ZDF jeden Sonntag als „Herzkino“ kredenzt. Der einzige Unterschied: "Deine Juliet" ist professioneller und besser gefilmt. Ansonsten gilt: Rosamunde Pilcher, „Inga Lindström“ und Charlotte Link lassen grüßen. 


„Deine Juliet“. GB/USA 2018. R: Mike Newell. D.: Lily James, Michael Huisman, Glen Powell. 124 Minuten. FSK: ab 6.

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