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03.08.2018, 17:02 Uhr TIEFER RISS IM LEBEN DER HELDEN

Ernest Hemingway: Neue Erzählung gefunden

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Spezialist für gebrochene Helden: Der US-amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway. Foto: UPI/dpaSpezialist für gebrochene Helden: Der US-amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway. Foto: UPI/dpa

Osnabrück. Eine Kurzgeschichte von Ernest Hemingway wird erstmals publiziert. Aber brauchen wir noch eine Erzählung des Machos unter den großen Autoren?

Brauchen wir noch eine Short Story von Ernest Hemingway? Wir meinen ihn zu kennen, den ausgemachten Macho unter den großen Autoren, den Mann, der in Krieg und Stierkampf, Hochseeangeln und Großwildjagd die Grenzerfahrung suchte und sie in scharf gemeißelten Sätzen zu Papier brachte. Hemingway schrieb über einsame, harte Männer. Genau dieser Typus macht uns heute misstrauisch. Einsame, harte Männer formen gerade die Welt in unguter Weise. Also: Brauchen wir noch einen Text von Hemingway? Hier weiterlesen: Hemingways Roman „In einem anderen Land“.

Jede posthume Publikation fordert dazu auf, ihre Autorin oder ihren Autor wieder oder überhaupt ganz neu zu entdecken. „Der Überläufer“, ein früher Roman von Siegfried Lenz, bot dazu kürzlich einen herausragend intensiven Anlass. Der Text liest sich radikal unversöhnlich. Eine Sternstunde, aus dem Nachlass geschenkt. Dieses Niveau hat Hemingways Text nicht. Hier weiterlesen: Ferner Gigant der Literatur - vor 50 Jahren starb Ernest Hemingway.

Dafür zeichnet er genau jenen tiefen Riss nach, der sich durch alle seine nach außen so hart erscheinenden Helden zieht. Ein letztes Glas Champagner, bevor es wieder in den Kampf geht: In Hemingways Geschichten steht das Leben auf der Kippe, das zivilisierte Miteinander auch. Seine Texte erzählen von der inneren Verlorenheit vermeintlich starker Männer. Und von dem, was Konflikte Menschen antun. Brauchen wir noch eine Short Story von Hemingway? Ja.


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