Ein Bild von Ralf Döring
02.08.2018, 18:10 Uhr KOMMENTAR ZU DANIELE GATTI

Auch bei sexueller Belästigung urteilen am Ende Richter

Kommentar von Ralf Döring

Ein Bild aus guten Tagen? 2008 hatte Katharina Wagner Danielle Gatti als Dirigent des „Parsifal“ nach Bayreuth verpflichtet. Jahre zuvor habe Gatti zwei Sängerinnen sexuell belästigt, lautet nun der Vorwurf.  Foto: Jörg Carstensen dpaEin Bild aus guten Tagen? 2008 hatte Katharina Wagner Danielle Gatti als Dirigent des „Parsifal“ nach Bayreuth verpflichtet. Jahre zuvor habe Gatti zwei Sängerinnen sexuell belästigt, lautet nun der Vorwurf. Foto: Jörg Carstensen dpa

Osnabrück. Die Klassikszene hat ihren nächsten Skandal: Dirigent Daniele Gatti habe Sängerinnen und Musikerinnen sexuel belästigt, heißt es. Das Concertgebouw Orchestra hat reagiert und seinen Chefdirigenten sofort entlassen. Ein Kommentar.

Das Amsterdamer Concertgebouw Orchestra fährt ein schweres Geschütz auf: Der Vorwurf der sexuellen Belästigung genügt, um das Vertrauensverhältnis so nachhaltig zu zerstören, dass Chefdirigent Daniele Gatti fristlos vor die Tür gesetzt wird. Das zeigt, unter welchen Druck das Thema sexuelle Belästigung Institutionen setzt. Nach Weinstein und Wedel ist das nicht weiter verwunderlich.

Dabei hat die Klassikszene den Status des Edlen und Reinen längst verloren. James Levine in New York, Gustav Kuhn bei den Tiroler Festspielen in Erl, jetzt Gatti: Die Liste wächst, und sie wird weiter wachsen. Die Fälle offenbaren, dass die Beschäftigung mit klassischer Kultur und abscheuliche Niederungen des Menschseins sich keineswegs ausschließen.

Nun ist die Öffentlichkeit in solchen Fällen schnell mit Vorverurteilungen bei der Hand. Umso wichtiger ist es, sich an einen Grundsatz zu erinnern: Die Dirigenten haben, wie jeder andere, ein Recht auf ein geordnetes Gerichtsverfahren; das ist ein Fundament westlicher Demokratien. Und das Urteil sprechen weder Kollegen, noch Journalisten, noch die Öffentlichkeit. Sondern einzig und allein Richter.


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