Führung: Architektur und Film Historische Schmalfilme im Felix-Nussbaum-Haus

Von Marcel Kawentel

Tokio im Felix-Nussbaum-Haus: Vorführung eines Schmalfilms durch den Filmclub BaukulturTokio im Felix-Nussbaum-Haus: Vorführung eines Schmalfilms durch den Filmclub Baukultur

Osnabrück. Im Rahmen des Jubliäumsprogramms „20 Jahre - 20 Tage“ im Felix-Nussbaum-Haus bot der Filmclub Baukultur am 1. August eine besondere Führung mit historischen Schmalfilmen.

Normalerweise gebe er seinen Führungen einen roten Faden, erklärte Karsten Hinrichs zu Beginn der rund anderthalbstündigen Reise durchs Felix-Nussbaum-Haus. Doch diesmal drohe er zu scheitern, scherzte er. Der rote Faden war an diesem Nachmittag die Architektur selbst. Während Hinrichs die Geschichte des Gebäudes anschaulich skizzierte, wanderte der Schmalfilmprojektor des Filmclubs Baukultur auf einem kunstvoll improvisierten Rollwagen von Raum zu Raum und erwartete die rund 40 Gäste mit historischen Filmen aus internationalen Metropolen wie Tokio, Hongkong, Moskau und London. Mit einem Alter von etwa 50-60 Jahren gaben die zwischen 10 und 20 Minuten langen Dokumentarfilme selbst Zeugenschaft über die historischen Umstände ihrer Entstehung und sorgten mit manch anachronistisch anmutender Kuriosität für Lacher im Publikum, etwa mit pistolenförmigen TV-Fernbedienungen aus Japan. Der Rotstich des Moskaufilms war allerdings schlicht dem Zahn der Zeit zu verdanken, nicht dem Einfluss des Sowjetregimes, unter dem die Dreharbeiten offenbar standen. Umso frappierender erschienen die Parallelen zu heutigen Themen der Stadtentwicklung. Während das Stück aus Hongkong das Nebeneinander zwischen Arm und Reich und zugleich deren räumliche Trennung im Stadtbild thematisierte, überraschte der Moskau-Film durch eine Gemeinsamkeit mit Osnabrück: der starke Verkehrsstrom von anreisenden Einkäufern. Mit Blick auf solch unvermutete Aktualität, aber auch - wie immer - mit dem Gedanken Film an architektonisch ungewöhnliche Orte zu bringen, suchte man beim Filmclub Baukultur die Filme aus, die allesamt aus dem Fundus des Instituts für Bild und Film in Wissenschaft und Unterricht stammen. Der eher lose Bezug der Filme zum Thema Architektur machte die Tour auch für ein Durchschnittspublikum anschlussfähig und unterhaltsam - ein geglücktes Experiment. Wie Holger Tepe vom Filmclub in seiner Einführung erklärte: Stadtentwicklung ist nie fertig. In diesem Sinne scheint auch im Felix-Nussbaum-Haus kein Endpunkt absehbar in der Aufnahmefähigkeit für überraschende Projekte.


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