Serie Theatersanierungen Das Mainfranken Theater Würzburg denkt groß

Von Ralf Döring

Viel Raum: Im Zuge der Sanierung erhält das Mainfranken Theater Würzburg einen neuen Kopfbau. Foto: Ralf DöringViel Raum: Im Zuge der Sanierung erhält das Mainfranken Theater Würzburg einen neuen Kopfbau. Foto: Ralf Döring

Achtzig Prozent der deutschen Theaterbauten sind sanierungsbedürftig, darunter auch das Theater Osnabrück. Jede Kommune verfolgt dabei ihren eigenen Lösungsweg. Würzburg denkt dabei in großen Dimensionen.

Die lilafarbenen Markierungen auf dem Kopfsteinpflaster kennt Markus Trabusch noch gar nicht. Genau zuordnen kann er die Kreidestriche an diesem Samstagmorgen nicht, aber weiß: Sie signalisieren den Aufbruch in die Zukunft des Mainfranken Theaters Würzburg. Sonntag endet die Spielzeit, und bereits am Montag rücken die Bagger an und heben die Baugrube vor dem Theater aus. Dann beginnt die Sanierung des Hauses. Weiterlesen: So will Mannheim sein Nationaltheater sanieren

„Jetzt geht‘s endlich los“

Lange hat sich das Projekt hingezogen; als Trabusch 2016 seine Intendanz antrat, hätten ihm die Mitarbeiter versichert, die Sanierung komme sicher nicht. Christian Schuchardt, seit 2014 Oberbürgermeister und davor Stadtkämmerer, sagt, ein erster Sanierungsbedarf sei in den 1990er-Jahren festgestellt worden. Aber „jetzt geht‘s endlich los“, sagt Trabusch, und da schwingt große Genugtuung mit. Vor allem, weil sich die Stadt Würzburg zu einer großen Lösung durchgerungen hat. Die hat wiederum mit den lilafarbenen Markierungen zu tun.

1966 hat das Würzburger Theater im jetzigen Bau eröffnet. Als echtes Kind seiner Zeit begrüßt es seine Besucher mit der zeittypischen Mischung aus Beton, großen Fensterflächen und schnurgeraden Kanten – nicht gerade eine Schönheit, aber für Trabusch noch eines der gelungeneren Beispiele deutscher Nachkriegsarchitektur. Dieser Bau bekommt nun ein Facelifting der opulenten Art: einen Kopfbau, der nicht nur den Theatervorplatz elegant füllt, sondern das Theater optisch zur Stadt hin öffnet. Unverkennbar ist dabei die Handschrift des Hamburger Architekturbüros pfp Architekten: Die gleiche lichte Bauweise mit ihren großen Fensterfronten und den geschwungenen Linien im Innenraum zeigen das Theater Gütersloh oder das Nürnberger Schauspielhaus. Clou des neuen Kopfgebäudes ist dabei einmal das vorspringende Obergeschoss mit seinem Balkon zur Stadt hin. Und die neue Spielstätte. Weiterlesen: Das Staatstheater Oldenburg hat die Sanierung fast abgeschlossen

Die Gretchenfrage der Theatersanierung

Durch den Saal mit seinen 330 Plätzen avanciert der Kopfbau zum Stützpfeiler des ganz Sanierungskonzepts. Bereits 2020 soll er den Spielbetrieb aufnehmen, sagt Dirk Terwey, der Geschäftsführende Direktor des Mainfranken Theaters. Ein ambitionierter Plan. Aber ein Plan von bestechendem Reiz: Während im neuen Saal Theater und Oper gespielt werden, wird das ursprüngliche Theater saniert und erweitert. Damit beantwortet Würzburg die Gretchenfrage der Theatersanierung: Ersatzspielstätte oder Sanierung während der Theaterferien? Das eine kostet viel Geld, das andere frisst Zeit. Würzburg hingegen wagt die Erweiterung und könnte gewinnen.

Über Ersatzspielstätten hat Würzburg in einem früheren Stadium nachgedacht, berichtet Oberbürgermeister Schuchardt. Eine Viehauktionshalle hatten die Verantwortlichen damals im Auge, doch seien die Kosten „immer weiter gewachsen“, sagt Schuchardt. Offenbar in Regionen, die für die Stadt Würzburg nicht mehr erreichbar waren. Anfang des Jahrtausends war die hübsche Stadt am Main finanziell ziemlich klamm. Weiterlesen: Die Sanierungswelle bei deutschen Theatern

Heute merkt man davon nichts mehr. Die Fußgängerzone wird peu á peu erweitert, die Straßenbahn schnurrt leise durch die 130000-Einwohnerstadt, und überhaupt strahlt Würzburg eine geradezu südliche Lebendigkeit aus, und das nicht nur beim Dämmerschoppen auf der pittoresken Alten Mainbrücke. Am wichtigsten aber ist: Die Stadt und die Bevölkerung stehen zu ihrem Theater. Deshalb hat der Rat der Stadt Würzburg das Projekt Sanierung „wohlwollend“ begleitet, sagt der Oberbürgermeister. „Aber auch kritisch“, schiebt er hinterher. Am Ende stand ein einstimmiges Votum für eine große Lösung: Kopfbau plus Erweiterung des Stammhauses um größere Werkstätten, plus ein zusätzliches Stockwerk für den Proberaum des Philharmonischen Orchesters. Und der Orchestergraben wird ebenfalls erweitert.

Ziel: Alles unter einem Dach

Der Vorteil der Sanierung: Künftig kann das Theater darauf verzichten, Gebäude für das Orchester und für Werkstätten anzumieten. „Alles unter einem Dach“ sei das Ziel gewesen, sagt Terwey. 2022 soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Bleibt die Kostenfrage. Ein entscheidender Umstand dürfte dabei den Ratsabgeordneten ihr positives Votum erleichtert haben: Der Freistaat Bayern fördert zu 75 Prozent, was förderwürdig ist – und das ist, von der Gastronomie einmal abgesehen, ziemlich viel. Der Bezirk Unterfranken gibt Geld dazu, die Sparkassenstiftung. So bleiben 17 Millionen Euro Anteil für die Stadt Würzburg, bei einer Gesamtsumme von rund 68 Millionen Euro. Kein Wunder, dass in Würzburg alle gute Laune haben.


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