Unterhaltungskünstler und Mahner Artur "Atze" Brauner wird heute 100 Jahre alt

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Der Filmproduzent Artur «Atze» Brauner, aufgenommen in seinem Wohnhaus vor einer Bilderwand in Berlin. Brauner feiert am 1. August seinen 100. Geburtstag. Foto: dpaDer Filmproduzent Artur «Atze» Brauner, aufgenommen in seinem Wohnhaus vor einer Bilderwand in Berlin. Brauner feiert am 1. August seinen 100. Geburtstag. Foto: dpa

Osnabrück. Wird heute 100 Jahre alt: Der Filmproduzent Artur Brauner prägte die Filmgeschichte Deutschland wie kaum ein anderer.

Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, auch symbolisch: Als Artur Brauner als Sohn polnischer Juden, der nur knapp den Holocaust überlebte, in Berlin-Spandau Ende der 1940er die Studios der „CCC-Filmkunst“ errichtete, musste der erst mal dekontaminiert werden. Denn während der NS-Diktatur wurde hier Giftgas produziert. 

Doch dann erstand dort eine Traumfabrik des Wirtschaftswunders. Hier wurden Agfacolor-bunte Schlagerfilme mit Caterina Valente und Peter Alexander gedreht, entstanden Melodramen mit Maria Schell, Curd Jürgens, wurde großes Gefühlskino mit Ruth Leuwerik, O.W. Fischer oder Sonja Ziemann verwirklicht. Traum und Albtraum - selten waren sie so vereint wie hier an diesem Ort. 

Gleichzeitig knüpfte der Ort aber auch an eine glorreiche deutsche Kinogeschichte an: Denn Brauner holte ab den 1950ern Hollywood-Emigranten, die vor Hitler flohen, zurück nach Berlin. Etwa Fritz Lang, der hier „Der Tiger von Eschnapur“ und „Das indische Grabmal“ (beide 1959) drehte, oder Robert Siodmak, der den Berlinale-Gewinner „Die Ratten“ verwirklichte, und mit „Der Schut“ (1964) eine der zahlreichen Karl May-Verfilmungen Brauners schuf. Erfolgreich waren auch die sechs „Dr. Mabuse“-Krimis der CCC zwischen 1960 und 1964 oder der Zweiteiler "Kampf um Rom" (1968)..

Über 300 Produktionen machten "Atze" (so sein Spitzname) Brauner reich. Die zahlreichen Kinohits ermöglichten aber auch die Finanzierung von Filmen, die die NS-Vergangenheit in Erinnerung riefen - auch oder gerade auf dem Gelände der ehemaligen Giftgasfabrik.  

Dabei wäre Brauners zweiter, von ihm produzierter Film, Eugen Yorks „Morituri“ (1948), fast sein letzter gewesen. Denn das KZ-Drama geriet zum finanziellen Desaster. Der Film wurde angefeindet, das Publikum wollte nichts mehr mit der Vergangenheit zu tun haben.Danach retteten Brauner  lange Zeit  seichte Unterhaltungware. Daneben gab es immer wieder Ausreißer wie den Widerstandsfilm "Der 20. Juli" (1955). Vittorio De Sicas „Der Garten der Finzi Contini“ (1970), eine Co-Produktion Brauners, erwies sich als Triumph. Das Faschismus-Drama gewann einen.Oscar. Mehrere Dramen über die "jüngste Vergangenheit" sollten folgen, etwa Romy Schneiders letzter Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" (1982).. 

1990 sorgte der Film „Hitlerjunge Salomon“ für Schlagzeilen: Die authentische Geschichte des Juden Sally Perel, der den Holocaust überlebte, weil er sich als Nazi ausgab, war vor allem in den USA erfolgreich, wurde gar als Kandidat für den Oscar  gehandelt. Die deutsche Auswahlkommission weigerte sich aber, den Film als Kandidaten einzureichen. Artur Brauner, dem viel an dem Projekt lag, beklagte dies. Die anschließende Debatte über die künstlerische Qualität und Deutungshoheit über deutsche Geschichte, erregte einen Skandal.

Noch heute noch sind die CCC-Studios  in Betrieb und werden von Artur Brauners Tochter Alice geleitet, wo heute vor allem TV-Serien entstehen. Dort hat Artur Brauner immer noch ein Büro. 

Als Produzent hat er 70 Jahre Filmgeschichte geprägt, als Mensch die Geschichte uns alle mahnend in Erinnerung gerufen. 


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