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30.07.2018, 17:44 Uhr PROVENIENZFORSCHUNG IM ÜBERSEE-MUSEUM

Der Kolonialismus unserer Tage

Kommentar von Ralf Döring

Raubkunst oder nicht? Der Wissenschaftler Ndzodo Awono zeigt im Schaumagazin des Überseemuseums eine Pfeife aus Kamerun. Awono fasst den Bestand von Objekten aus der Sammlung aus Kamerun zusammen. Foto: Carmen Jaspersen/dpaRaubkunst oder nicht? Der Wissenschaftler Ndzodo Awono zeigt im Schaumagazin des Überseemuseums eine Pfeife aus Kamerun. Awono fasst den Bestand von Objekten aus der Sammlung aus Kamerun zusammen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Osnabrück. Das Bremer Übersee-Museum geht das große Thema Provenienzforschung an. Das muss auch sein. Denn es geht nicht nur um Besitzverhältnisse, sondern um Werte. Ein Kommentar.

Vor anderthalb Jahrhunderten waren Kolonien dieSelbstbedienungsläden der westlichen Welt. Diesem Umstand verdanken wir reiche Sammlungen in Häusern wie dem Übersee-Museum in Bremen. Da aber vermutlich die wenigsten Gegenstände rechtmäßig erworben wurden, fordert der Experte Jürgen Zimmerer völlig zurecht, bei Exponaten aus einstigen Kolonien die Beweislast umzukehren: Wer ein Stück besitzt, muss die Provenienz nachweisen.

Viele Schätze werden so zurückwandern in ihre Ursprungsländer und Lücken in unseren Ausstellungsräumen hinterlassen. Doch die Lücken mögen noch so hässlich klaffen: Sie mahnen uns an eine unrühmliche Vergangenheit und daran, Konsequenzen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Denn in den Kolonien von damals lassen wir heute Mobiltelefone und T-Shirts produzieren; von dort stammen die Bodenschätze, die unsere technisierte Welt am Laufen hält. Doch diese Reichtümer sollten den Einheimischen nutzen, nicht multinationalen Konzernen. Denn gegenwärtig sieht es aus, als ginge der Kolonialismus munter weiter. Wenn auch mit anderen Mitteln.


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