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27.07.2018, 17:18 Uhr KOMMENTAR: KIOSKE

Neues, spontanes Leben

Kommentar von Christine Adam

Der Geschichtensammler Christoph Busch steht im U-Bahnhof „Emilienstraße“ vor seinem Erzähl-Kiosk. Busch spendet Menschen Zeit und hört ihnen zu. Foto: dpaDer Geschichtensammler Christoph Busch steht im U-Bahnhof „Emilienstraße“ vor seinem Erzähl-Kiosk. Busch spendet Menschen Zeit und hört ihnen zu. Foto: dpa

Osnabrück. Der gute, alte Kiosk erfüllt offenbar Bedürfnisse, die besonders in Wohngegenden ohne Infrastruktur zur kurz kommen – ein Kommentar.

Nicht selten wurden und werden Kioske als chancenlos belächelt in Zeiten riesiger und bis spät nachts geöffneter Supermärkte. Doch Kioske erfüllen offenbar Wünsche, die sich nicht mehr ignorieren lassen, besonders in reinen Wohnsiedlungen ohne jede Infrastruktur. Wer schon eine Weile lebt, mag die Auf- und Abbewegungen in unserer Gesellschaft vom Tante-Emma-Laden um die Ecke zum fernen Einkaufszentrum und wieder zurück amüsant finden. Doch es spiegelt sich viel Wahres in diesem Trend.

Der Kiosk ist ein idealer Ort für spontane und ungeplante Bedürfnisse. Anders als im Restaurant kann Jeder dort völlig „formlos“ und zwanglos auftreten und man kann so kurz oder lang dort verweilen, wie es gerade passt. Das kommt auch dem Plausch mit anderen Büdchen-Besuchern zugute, der ganz nach Bedarf dosierbar ist. In anonymen Wohngegenden kann das ein echter Segen sein, gerade auch für ältere, einsame und wenig mobile Menschen.

Wenn sich auch noch Kultur an den Kiosk andockt wie in Hannover, gewinnt manch tot geglaubter Stadtteil ein Leben zurück, an das kaum einer mehr glaubte.


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