Kommentar: Stolpersteine Unglücklich wörtlich genommen

Von Christine Adam

Hatte die Idee zu den Stolpersteinen: Künstler Gunter Demnig. Foto: dpa/Andreas GebertHatte die Idee zu den Stolpersteinen: Künstler Gunter Demnig. Foto: dpa/Andreas Gebert

Osnabrück. Es wäre bedauerlich, wenn die europäische Erinnerungslandkarte, die mit Gunter Demnigs Stolpersteinen entsteht, durch das Münchner Nein nicht weiterwachsen würde.

Schade, dass ein so sinnreiches Projekt wie das der Stolpersteine von Gunter Demnig in München jetzt infrage gestellt wird. Denn seit 1992, als man anfing, die kleinen goldenen Gedenksteine vor den Häusern verfolgter, deportierter oder ermordeter Juden in den Boden einzulassen, ist in europäischen Ländern fast so etwas wie eine Erinnerungslandkarte entstanden. Überall setzen die Stolpersteine das leicht erkennbare Signal: Auch hier ist Juden schwerstes Unrecht geschehen. Die Judenverfolgung bleibt so kein abstraktes Geschichtsereignis, sondern teilt sich unmittelbar physisch mit.

Stelen und Tafeln wie in München werden für alles Mögliche aufgestellt. Die Steine dagegen haben eindeutigen Wiederkennungswert. Bedauerlich, dass sie nun über ein unglücklich wörtlich genommenes Sprachbild ins Straucheln geraten: Noch einmal „mit Füßen getreten“ wird hier niemand, das setzte schließlichböse Absichten voraus. Vor Schändung sind aber auch aufrechte Tafeln nicht sicher.

Es wäre bedauerlich, wenn die Erinnerungslandkarte nicht weiter wachsen könnte.


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