Musik mit Tropfen Anika Auweiler spielte bei Kultur im Innenhof in Osnabrück

Von Marie-Luise Braun

Die Solokünstlerin Anika Auweiler war in Osnabrück bei „Kultur im Innenhof“ zu Gast. Sie spielte im Haus der Jugend Stücke mit viel Gefühl und klang dabei dank Loopstation wie eine Band mit Chor. Foto: Philipp HülsmannDie Solokünstlerin Anika Auweiler war in Osnabrück bei „Kultur im Innenhof“ zu Gast. Sie spielte im Haus der Jugend Stücke mit viel Gefühl und klang dabei dank Loopstation wie eine Band mit Chor. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück . Musik statt Kabarett und Comedy: Dieses Mal war Anika Auweiler bei „Kultur im Innenhof“ zu Gast. Sie spielte im Haus der Jugend Stücke mit viel Gefühl und begann passend zum Wetter mit einem Lied über Regentropfen.

Das ist schon ein merkwürdiger Moment: Bis auf eine Handvoll Instrumente ist die Bühne komplett leer. Trotzdem ist Musik zu hören, die klingt, wie frisch gezupft. Dabei ist Anika Auweiler eben für die Pause von der Bühne gegangen.

Loopstation sei Dank. Mit dieser technischen Hilfe bereichert die Wahlberlinerin mit rheinischen Wurzeln nahezu jedes ihrer Stücke: Sie spielt eine kurze Melodie, ein paar Schläge Rhythmus oder singt eine Strophe in verschiedenen Tonlagen. Das zeichnet sie auf und lässt es im gewünschten Moment hören. Resultat: Eine einzige Musikerin die klingt, wie eine ganze Band plus Chor.

Nicht immer sind die Übergänge fein, hin und wieder muss sie nachjustieren. Aber das ist entschuldbar, musste die Künstlerin doch kurz vor dem Auftritt von der Open-Air-Bühne im Innenhof in den Saal wechseln. In der zweiten Hälfte des Abends versagt ein Teil ihrer Technik komplett den Dienst. Ohne zu zögern stöpselt Anika Auweiler ihre Gitarre um, spielt ohne Elektro-Beat weiter und legt den Druck des Stücks soweit es geht in ihre Stimme. Da zeigt sich die jahrelange Bühnen-Erfahrung.

„70 Prozent Gefühl und 30 Prozent Liebe“, hat Auweiler zu Beginn das Programm des Konzerts beschrieben, das sich vielmehr anfühlt, wie ein Besuch in der Sauna. Das Gewitter hat die Hitze nicht aus dem Saal vertreiben können, dafür aber eine Menge Feuchtigkeit hineingeblasen. Überall scheint es zu tropfen. Ein Umstand, den Anika Auweiler jedes Mal heranzieht, um einen Fehler zu begründen, beispielsweise wenn die Gitarre zu leise ist oder ihre Stimme im Klangteppich verschwindet. Der Soundcheck hat draußen stattgefunden. Nach dem Umzug war dafür drinnen keine Zeit mehr.

Die Texte aber vermag die Technik nicht zu verwischen. Mit ihnen transportiert Anika Auweiler viele Situationen, wie sie auch ihre Gäste kennen mögen. Die Verwunderung nach einem wunderschönen Abend, der in einem fremden Bett endet. Der Wunsch nach einem Menschen, der im richtigen Moment den richtigen Rat gibt – auf den man auch zu hören vermag. Die Lust, eine bestimmte Person kennen zu lernen. Die Situationen, die an eine verflossene Liebe erinnern – beispielsweise ein Sommerregen.


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