Vorwürfe gegen Leiter Gustav Kuhn Künstlerinnen prangern sexuelle Übergriffe bei Tiroler Festspielen an

Von dpa

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Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht gegen den Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn. Foto: Tom Benz/dpaDie Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht gegen den Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn. Foto: Tom Benz/dpa

Erl. Frauen berichten von Schikane, Demütigung, Repressalien – und Übergriffen. Nun hat sich die Justiz eingeschaltet.

Fünf Künstlerinnen haben in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen den Dirigenten und Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn, erhoben. "Wir sind direkt Betroffene, Zeuginnen oder Mitwissende davon, dass es zu unserer Zeit anhaltenden Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe von Seiten des künstlerischen Leiters gegeben hat", schrieben sie in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief.

Unterzeichnerinnen sind die Sopranistin Bettine Kampp und der Mezzosopranistin Julia Oesch aus Deutschland, die Violinistinnen Aliona Dargel aus Weißrussland und Ninela Lamaj aus Albanien und die Schweizer Sopranistin Mona Somm. Das Tiroler Passionsspieldorf Erl bei Kufstein am Inn gilt als Österreichs "grüner Hügel".

Musikerinnen: Trotz der Vorwürfe keine Konsequenzen

Kuhn wies die Vorwürfe zurück. Sein Mandant werde sich gegen diese "Menschenjagd" mit den Mitteln des Rechtsstaates zu wehren wissen, teilte sein Anwalt, Ex-Justizminister Michael Krüger, in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur APA mit. Kulturminister Gernot Blümel und die Tiroler Kulturlandesrätin Beate Palfrader (beide ÖVP) forderten die Geschäftsführung zu voller Transparenz und Aufklärung auf. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck prüft einen Anfangsverdacht, wie ein Sprecher mitteilte.

Ein Blogger hatte im Februar über angeblich unhaltbare Zustände mit schlechter Bezahlung und Probenterror und mögliche sexuelle Übergriffe in Erl berichtet. Kuhn verklagte ihn.

Die Musikerinnen zeigten sich in ihrem Brief an den Präsidenten der Festspiele, Hans Peter Haselsteiner, empört, dass trotz der Vorwürfe keine Konsequenzen gezogen worden seien. Einige von ihnen seien selbst betroffen gewesen von "unerwünschtem Küssen auf den Mund oder auf die Brust, Begrapschen unter dem Pullover, Griff zwischen die Beine etc., von obszöner verbaler Anmache ganz zu schweigen". Die Frauen, die zwischen 1998 und 2017 in Erl tätig waren, schreiben von Schikane, Demütigung und Repressalien.


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