Seichte Songs, seichte Botschaft Die französische Komödie "Ein Lied in Gottes Ohr" will drei Religionen vereinen

Von Tobias Sunderdiek

Drei Religionen vereint als Poptrio in "Ein Lied in Gottes Ohr"Drei Religionen vereint als Poptrio in "Ein Lied in Gottes Ohr"

Osnabrück. Die französische Komödie "Ein Lied in Gottes Ohr" will drei Religionen vereinen - mit schmantigen Pop und viel Klamauk.

„Wo Menschen singen / Da lass Dich nieder / Denn böse Menschen haben keine Lieder“ - so schmetterte einst Peter Alexander seine Schlagerweisheiten in die Welt. Es könnte auch das Motto der Band „Coexiter“ sein. Denn sie vereint die einen Rabbi, einen katholischen Priester und einen angeblichen Imam miteinander, um für „ein bisschen Frieden“ zu trällern.

Ausgedacht hat sich das der Musikproduzent Nicolas (Regisseur Fabrice Éboué), der, dringend eine Erfolg braucht, und deshalb drei Sänger aus drei Konfessionen castet.

Doch statt der öffentlich präsentierten Harmonien treten hinter den Kulissen rasch Dissonanzen auf – bis sich das Trio Infernal doch noch zusammenrauft – und den rechten Weg findet. Den des Erfolges. Dazu dienen seichte Popsongs, der Medienzirkus und eine Show mit viel Kunstnebel.  

Doch dann kommt es dicke: Wilder Sex mit der nymphomanen Assistentin, für die Geistlichen eigentlich ein Tabu, bricht sich seine Bahn. Und schon bald zeigen sich für einen von ihnen neun Monate später die Konsequenzen. Währenddessen kämpft der Musikproduzent nach einem Seitensprung um seine Ehe - und schießt ein Eigentor..

Shalom, Grüß Gott und Salaam Aleikum: „Ein Lied in Gottes Ohr“ ist, nach vielen anderen Beispielen aus der jüngsten Zeit, die neueste französische Integrationskomödie. Dass dieses Subgenre links des Rheins eine lange Tradition hat, zeigt sich unter anderem an der nach wie vor komischen Louis de Funès-Klamotte „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ (1973), aus der sogar direkt zitiert wird.

Doch leider vermag „Coexister“ (so der salbungsvolle Originaltitel) nicht daran aufzuschließen. Denn sieht man mal von bitteren Hinweisen auf schief laufende Beschneidungen und die Sexszenen ab, kommt der Film doch ziemlich brav daher. Um nicht zu sagen „kreuzbrav“ - als Mischung aus Sketchparade und Sermon.


„Ein Lied in Gottes Ohr“. F 2018. R: Fabrice Éboué. D.: Ramzy Bedia, Jonatan Cohen, Guillaume De Tonquédec, Fabrice Éboué. 86 Minuten. FSK: ab 12

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