Interview mit Filmfest-Leiterin Julia Scheck „Die Verbindung zwischen den Filmen soll im Zentrum stehen“

Von Andre Pottebaum

Freut sich auf die Kurzfilmpräsentation im Felix-Nussbaum-Haus: Julia Scheck, Leiterin des Unabhängigen Filmfestes Osnabrück. Foto: Hermann PentermannFreut sich auf die Kurzfilmpräsentation im Felix-Nussbaum-Haus: Julia Scheck, Leiterin des Unabhängigen Filmfestes Osnabrück. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Zum 20. Geburtstag des Felix-Nussbaum-Hauses soll die Architektur des Gebäudes im Vordergrund stehen. Mit Julia Scheck, Leiterin des Unabhängigen Filmfestes, das am Donnerstag verschiedene Filme im Libeskind-Gebäude zeigt, haben wir vorab gesprochen – über Architektur, kurze Hosen und das Thema „Raum“.

Das Unabhängige Filmfest ist heute zu Gast im Felix-Nussbaum-Haus – unter dem durchaus ungewöhnlichen Motto „Mit Shorts ins Museum“.

Das Filmfest ist eine Schnittstelle zwischen sozialen und politischen Themen und Film, mit zum Teil sehr schweren Themen. Wenn man das noch pathetisch aufbaut, dann tut es dem Festival nicht gut. Wir feiern die Filmkunst und sind der Meinung, dass Unterhaltung und ernste Themen gut miteinander funktionieren. Von daher wollten wir nicht bierernst in diese Veranstaltung gehen. Es ist Sommer und warm draußen, da ist uns dieser Titel eingefallen, der sehr gut zu uns passt – egal ob es nun die kurzen Hosen sind oder die Kurzfilme.

Die Kurzfilme stehen aber schon im Vordergrund?

Wir haben drei Kurzfilme aus unserem Programm ausgewählt beziehungsweise eine Festivalentdeckung, die wir dieses Jahr gemacht haben. Im Englischen ist es aber gängig zu Kurzfilmen „Shorts“ zu sagen, das fanden wir witzig und hat letztlich zu dem Motto geführt.

Warum werden ausgerechnet Kurzfilme gezeigt?

Kurzfilme sind sehr zugänglich, vor allem aufgrund der Länge. Man bindet die Menschen dadurch nicht für anderthalb oder zwei Stunden an einen Platz. Das macht im musealen Kontext mehr Sinn im Vergleich zum Kinoformat. Wir haben uns bei der Auswahl von dem, was wir in dem Gebäude erlebt haben, leiten lassen, aber auch den anderen Künstlern, die dabei sein werden. Nach dem ersten Gang durch das Haus war uns sofort klar, was wir zeigen werden.

Das heißt, die Architektur des Gebäudes war bei der Auswahl der Filme maßgeblich?

Ja, aber auch die Themen, die Felix Nussbaum angesprochen hat. Das sind Themen, die wir im Festival sehr viel behandeln, wie Exil oder Flucht. Gleichzeitig ist die Architektur natürlich sehr präsent und wir haben einen Kurzfilm gefunden, der sehr gut dazu passt. Die Stimmung und Funktion des Hauses haben somit die Auswahl geleitet. (Lesen Sie auch: Architektur erzählt eine Geschichte: Rundgang durch leeres Nussbaum-Haus)

Der Künstler selbst, also Felix Nussbaum auch mit seiner Vergangenheit, spielt somit eine eher untergeordnete Rolle?

Das übergreifende Thema der Veranstaltung in den zwanzig Tagen ist ja „Raum“. Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, welche Räume wir in dieser Zeit aufgreifen und was die Filme erzählen, die wir zeigen. Es geht dabei um geschlossene Räume, um eingesperrte Menschen oder Personen, die nicht die Freiheit haben von A nach B zu reisen. Für uns ist es wichtig, diese Räume zu durchbrechen, sie auf den Kopf zu stellen oder ihnen zu entfliehen.

In einem der Kurzfilme werden die Bilder ja tatsächlich auf den Kopf gestellt.

Total abgefahren. Die Idee selbst ist eigentlich recht simpel, aber die Umsetzung sehr kompliziert, da der Film animiert ist. Dadurch wird ein sehr starker Effekt ausgelöst, der erstens schön anzusehen ist, einen gleichzeitig aber auch überwältigt.

Ziel des Programms ist es, die Räume fühlbar und die Stimmung erlebbar zu machen. Wie kann man diese Inszenierung mit Kurzfilmen realisieren?

Vor dieser Frage standen wir auch. Wir wollen nicht mit Libeskind oder Nussbaum konkurrieren und haben uns deshalb Plätze ausgesucht, die nicht sonderlich im Mittelpunkt stehen. Die Verbindung also der Gang zwischen den Filmen soll im Zentrum stehen, weil es einfach so spannend ist, durch die leeren Hallen zu gehen. Wir wollen diese Erfahrung mit unserem Input ergänzen. (Lesen Sie auch: Stararchitekt Liebeskind im Interview:„Autos zerstören die Städte“)

Was versprechen Sie sich von der Symbiose aus Film und Architektur?

Wir hoffen natürlich, dass Menschen ins Felix-Nussbaum-Haus gehen, die bislang noch nicht dort waren. Filme vor allem Kurzfilme haben es sehr schwer, ein Publikum zu finden. Es ist eine schöne Möglichkeit, dass die Öffentlichkeit mitbekommt was für eine schöne Kunstform der Film ist.


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