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19.07.2018, 17:17 Uhr KOMMENTAR

Bei „Tomorrowland“ feiern, als gäbe es kein Morgen

Kommentar von Ralf Döring

Boom, Belgien: Besucher feiern beim Festival „Tomorrowland“. Elektronische Tanzmusik zählt zu den erfolgreichsten Genres der Popmusik. Foto: Tomorrowland/dpaBoom, Belgien: Besucher feiern beim Festival „Tomorrowland“. Elektronische Tanzmusik zählt zu den erfolgreichsten Genres der Popmusik. Foto: Tomorrowland/dpa

Osnabrück. Festivals sind der Boom-Sektor der Musikwirtschaft. Mega-Elektropartys wie das „Tomorrowland“ haben sich dabei zum lukrativen Geschäftszweig entwickelt. Ein Kommentar.

Die Mutter aller Musikfestivals, das Festival von Woodstock, war wirtschaftlich und organisatorisch ein Desaster. Gitarren standen unter Strom, die Veranstalter beschönigten die Kapitulation vor den Menschenmassen mit dem Satz „From now the concert is free“. Gleichwohl ist „Woodstock“ zum Modell geworden: Ein gewichtiger Teil des Musikbusiness spielt sich heute auf mehrtägigen Festivals unter freiem Himmel ab.

Die Elektro-Szene ist dabei eine unter vielen: Das Musikgeschäft hat sich fein ausdifferenziert, und jedes Genre, egal ob Heavy, Indie, Punk oder Ethno, bedient seine Fans mit passgenau zugeschnittenen Festivals. Die Elektro-Fans treffen sich zu Mega-Events auf Ibiza, zum Ultra Europe Festival im kroatischen Split oder beim „Tomorrowland“ in Belgien.

In einem aber unterscheiden sich Elektrofestivals gravierend vom Rest der Musik: Die Musik transportiert keine Botschaften, sondern gibt Takt und Tempo für die Party vor. Das macht den Namen „Tomorrowland“ irreführend: Hier wird keine Utopie für die Zukunft entworfen, sondern das Hier und Jetzt gefeiert, und das oft, als gäbe es kein Morgen.


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