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18.07.2018, 16:49 Uhr KOMMENTAR

Sind Streaming-Dienste Heilmittel oder aggressive Viren?

Kommentar von Ralf Döring

Verdient sogar mit Spotify: Ed Sheeran. Das gilt beileibe nicht für jeden Musiker.  Foto: Maurizio Gambarini/dpaVerdient sogar mit Spotify: Ed Sheeran. Das gilt beileibe nicht für jeden Musiker. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Osnabrück. Jetzt ist es passiert: Musik-Streamingdienste haben die CD umsatzmäßig überholt. Aber im Erfolg von Spotify und Co liegt eine große Gefahr für die gesamte Musikkultur. Ein Kommentar.

Wie Wikipedia den Brockhaus aus den Regalen gedrängt hat, werden Streamingdienste den physischen Tonträger zum Randphänomen zurechtstutzen. Die gute Nachricht dabei ist: Der Musik an sich ist es egal, wie sie an ihre Hörer kommt. Allerdings muss sie erst einmal entstehen – und da beginnen die Probleme. Ein Tag im Studio kostet, egal, ob die Musik via Vinyl, CD oder Stream zum Hörer kommt.

Daraus müsste folgen, dass Produzenten und Musiker angemessen an den Einspielergebnissen beteiligt werden. Deshalb will der Bundesverband Musikindustrie ja Youtube zu höheren Lizenzzahlungen verpflichten. Das ist aber nur ein Teil des Problems.

Längst zieht das Publikum Musik mit der gleichen Selbstverständlichkeit aus dem Netz, mit der es Wikipedia-Artikel nachschlägt: für lächerliches Geld oder gleich umsonst. Ed Sheeran und Helene Fischer kann das egal sein; für die summieren sich selbst die Mikrobeträge, die Streamingdienste abführen, zu einem ordentlichen Sümmchen. Andere Künstler schauen in die Röhre und lassen das mit dem Studio lieber sein. So könnte gerade der Erfolg von Spotify und Co der Musikwelt den Garaus machen – wie ein Virus, das seinen Wirt auffrisst.


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