Sanierungswelle an Theatern Staatstheater Oldenburg saniert in den Ferien

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Oldenburg. Die größte Sanierungswelle seit dem Zweiten Weltkrieg erfasst gerade die deutschen Theater. 80 Prozent aller Bühnen sind davon betroffen, damit Spielbetriebe ohne Gefahr weitergehen können. Auch das bauliche und technische Innenleben im Osnabrücker Theater am Domhof muss bald gründlich überholt werden – Anlass für eine Serie, die Beispielen beleuchtet, wie Theater und Kommunen die Sanierungsaufgabe angehen, nach welchen Modellen saniert und wie die Finanzierung auf die Beine gestellt wird. Wir nehmen das Oldenburgische Staatstheater, das Nationaltheater Mannheim, das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin und das Mainfranken Theater Würzburg unter die Lupe. Wir starten mit Oldenburg.

Für eine Sanierung in vier Abschnitten jeweils in den Theaterferien hat sich das Oldenburgische Staatstheater entschieden. Dieses Sanierungsmodell kann im Prinzip teurer und aufwendiger sein als eine einmalige Baumaßnahme, weil mehrfach Baustellen auf und wieder zu gemacht werden müssen. Doch in Oldenburg hat man akribisch geplant und berechnet. Manche, den Spielbetrieb nicht störende Arbeiten liefen auch übers ganze Jahr weiter.

Im Sommer 2014 geht es los mit dem Brandschutzkonzept und der Bauplanung. Wie bei einem Uhrwerk soll ein Rädchen präzise in das andere greifen. „Das hat gut funktioniert“, sagt Alexandra Busch-Maaß, die die baurechtliche Verantwortung trät. Sie gehört zur Baugruppenleitung des Staatlichen Baumanagements Ems-Weser, zuständig, weil es sich um ein Staatstheater handelt.

Im Sommer 2015 werden schon mal überall Rauchmelder und Sprachalarmanlagen eingebaut. Doch den größeren Brocken der Brandschutzarbeiten nehmen sich die Baufachleute im folgenden Sommer vor. Außerdem werden zwei Treppentürme gebaut, die als neue Rettungswege dienen. 2017 baut man eine Notstromersatzanlage und einen behindertengerechten Aufzug in ein altes Treppenhaus ein. Die Brandschutztüren sind veraltet und werden seit 2017 durch 300 neue ersetzt.

Sanierung läuft nach Plan

Auch der letzte Sanierungsschritt läuft ziemlich reibungslos und nach Plan, glaubt man Klaus Wieting, dem Leitenden Baudirektor vom Baumanagement Ems-Weser. Ganz ohne Ausweichquartier kommt das Theater nun allerdings nicht aus. Sechs Wochen vor der Spielzeitpause zog der Spielbetrieb in ein Zirkuszelt am Hafen. Sonst würden Brandschutzertüchtigung, Erneuerung der Bühnentechnik im Kleinen Haus und Umgestaltung des Foyerbereichs nicht rechtzeitig zum Spielzeitbeginn im August fertig.

Noch mehr „Brandschutzertüchtigung“ steht ganz oben auf dem Plan, neuralgischer Punkt bei fast allen Theatern, weil der bisherige Brandschutz nicht mehr heutigen Anforderungen entspricht. Das gilt in Oldenburg auch für die Flucht- und Rettungswege im ganzen Haus. Bei einem ehrwürdigen Theater wie dem Oldenburger, das dieses Jahr immerhin seinen 125. Geburtstag feiert, geschieht das im engen Gespräch mit Denkmalschutzbehörde und Feuerwehr. Brandabschnitte müssen neu gegliedert und klar zugeordnet werden. So braucht man im Brandfall nicht wie früher das ganze Haus zu evakuieren und kann auf anderen Bühnen sogar weiterspielen.

Erneuerte Obermaschinerie

Im Kleinen Haus ist die Obermaschinerie erneuerungsbedürftig, wozu das Land 3,4 Millionen Euro beisteuerte. Ein Blick in den Bühnenraum zeigt: Extrem ungemütlich wirkt es hier mit seinen dunkel abgedeckten Zuschauerreihen und mächtigen ausgebauten Maschinenteilen auf der Bühne. Der Foyerbereich hinterm Bauzaun sieht wiederum komplett nach Baustelle aus. Wehende Plastikplanen, wo sonst die Glasfront war, aufgerissene Böden, Baugerüste für Arbeiten an der Decke, denn deren Verkleidung soll einer technisch wartungsfreundlicheren weichen.

Rundgang durch die Bauarbeiten

Bei einem Rundgang mit den Architekten Volker Droste und Helmut Urban, dem Theaterverwaltungsleiter Tilman Pröllochs, Klaus Wieting, Alexandra Busch-Maaß und Projektleiterin Marion Darrelmann, auch sie vom Baumanagement Ems-Weser, erklären die Fachleute, was auf beiden Foyeretagen ansteht: im wesentlichen Brandlastenentfernung, Schadstoffsanierung, Barrierefreiheit und eine ansprechendere Raumaufteilung fürs Publikum.

Was kosten alle Etappen?

Was kosteten nun alle Sanierungsetappen seit 2015 zusammen, inklusive Planungsphase? Das Land Niedersachsen stellte für die Brandschutzmaßnahmen „seines“ Theaters 11 Millionen Euro zu Verfügung, für die Obermaschinerie 3,4 Millionen Euro. Verbaut wurden insgesamt 15 Millionen Euro inklusive der Obermaschinerie und inklusive der Baunebenkosten, sagt Alexandra Busch-Maaß, abzüglich 22 Prozent Personalkosten und Löhne für Freiberufler.

Nach nunmehr fast zehn Jahren Planung und Bau drängt sich Frage auf: Wie viele Jahre oder besser: Jahrzehnte soll eine solche Sanierung nun vorhalten? Leises, achselzuckendes Auflachen bei den Baufachleuten, die Vorsicht bei Haltbarkeitsprognosen walten lassen wollen. Technische Anforderungen oder Spielweisen könnten sich jederzeit ändern, meint Klaus Wieting.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN