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Führungsstreit am Tanztheater Gekündigte Pina-Bausch-Intendantin weist Vorwürfe zurück

Von dpa

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Kulturmanagerin Adolphe Binder war nur ein Jahr lang künstlerische Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch. Foto: dpa/Caroline SeidelKulturmanagerin Adolphe Binder war nur ein Jahr lang künstlerische Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch. Foto: dpa/Caroline Seidel

Wuppertal. Die Intendantin des Pina-Bausch-Tanztheaters Wuppertal wird entlassen. Nun tobt der Streit zwischen ihr und dem Theaterbeirat heftig und öffentlich.

Die fristlos gekündigte Intendantin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch, Adolphe Binder, hat Kritik an ihrer Arbeit zurückgewiesen. Die Entscheidung des Beirats, sie mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben zu entbinden, "dient nicht der Zukunft des Tanztheaters", schreibt Binder in einem am Samstag veröffentlichten Brief. Die von der Geschäftsführung gegen sie erhobenen Vorwürfe seien "unhaltbar und rechtfertigen keine Kündigung". Der künstlerische und kommerzielle Erfolg des Tanztheaters habe offenbar bei der Entscheidung, sie zu entlassen, keine Rolle gespielt.

Der Beirat – das Aufsichtsorgan des Theaters – hatte als Reaktion auf anhaltende Querelen am Freitag beschlossen, sich von Binder zu trennen. Dies sei "leider notwendig geworden, um die Handlungsfähigkeit . wiederherzustellen", erklärte der Beirat. Er warf Binder zudem Fehlverhalten und Mobbing vor. Bislang hat das Tanztheater noch keinen Spielplan für die nächste Saison. Der Beirat betonte, von der Geschäftsführung werde die Vorlage des Spielplans bis spätestens September erwartet.

Ein von ihr erstellter Spielplan für die bald beginnende nächste Spielzeit habe der Geschäftsführung seit Monaten vorgelegen, erklärte Binder. Der Entwurf war von dieser nicht akzeptiert worden.

Fühlt sich übergangen

Die 49 Jahre alte Binder kritisierte, der zum Jahresende ausscheidende Geschäftsführer Dirk Hesse habe sich von Anfang an geweigert, die neu geschaffene künstlerische Leitung zu akzeptieren und in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Schon seit Monaten hätten Stadt und Geschäftsführung eine Vertragsauflösung von ihr gefordert. Sie habe aber die Arbeit mit dem "großartigen Ensemble und für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch" fortführen wollen und sei deshalb nicht darauf eingegangen, erläuterte sie.

Binder macht in ihrem Brief Geschäftsführer Dirk Hesse schwere Vorwürfe. Er habe sich von Beginn an geweigert, die neue künstlerische Leitung zu akzeptieren und sie transparent in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Der Beirat will sich nun bei der Weiterentwicklung des Tanztheaters auf die Hilfe eines Expertengremiums stützen. Alistair Spalding, der Leiter des Sadlers Wells Theaters in London, hat sich laut der Erklärung zur Mitwirkung bereit erklärt. Das Theater ist seit langem Kooperationspartner der Wuppertaler.

Offener Brief der Tänzer

In einem offenen Brief hatten 35 Tänzer klargestellt, dass sie an den Diskussionen mit Management oder Beirat nicht beteiligt waren. Sie hätten auch keine Informationen über Vorwürfe gegen Intendanz oder Geschäftsführung erhalten. "Das ist alles sehr geschmacklos", sagte eine Tänzerin dem Deutschlandfunk Kultur. 

Für das geplante Pina-Bausch-Zentrum in Wuppertal hat der Bundestag gerade erst über mehrere Jahre gestreckt eine Förderung von insgesamt 2,2 Millionen Euro beschlossen.

Die Choreographin Pina Bausch hatte das Theater in den 1970er-Jahren in Wuppertal gegründet und dafür zahlreiche Stücke entwickelt. Nach ihrem Tod vor neun Jahren führt die Kompanie die gefeierten Kreationen weiterhin in aller Welt auf. Binder hatte im Mai 2017 Leitung der berühmten Tanztruppe übernommen.

Pina Bausch gilt als eine der wichtigsten Choreographinnen weltweit. Ihre ausdruckvollen Stücke sind ein kultureller Exportschlager: Die Kompanie tritt jedes Jahr in vielen Ländern auf.


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