Sinnsucher und Künstler "Der beste Regisseur aller Zeiten": Ingmar Bergman

Von Tobias Sunderdiek

Seine Filme waren oft grüblerisch: Ingmar Bergman während Dreharbeiten in Schweden. Foto: AFP/ Bonniers HylenSeine Filme waren oft grüblerisch: Ingmar Bergman während Dreharbeiten in Schweden. Foto: AFP/ Bonniers Hylen

Osbabrück. Immer noch ein Gigant: Der schwedische Theater- und Filmregisseur Ingmar Bergman würde heute 100 Jahre alt werden.

Er schuf  Kinoszenen, die sich einbrennen: In einem schwarzen Umhang, aus dem nur ein blasses Gesicht herauslugt, schreitet in „Das siebte Siegel“ (1957) der Tod auf Ritter zu. Er wird mit ihm Schach spielen – um dessen Leben. In „Wilde Erdbeeren“ (1957) erlebt ein alter Mann einen surrealen Traum, in dem die Uhren keine Zeiger und die Menschen keine erkennbaren Gesichter besitzen. Und in der TV-Serie „Szenen einer Ehe“ (1973) reißen ein Mann und eine Frau die Fassade ihrer als harmonisch geltenden Ehe ein.

Ingmar Bergman, heute vor 100 Jahren im schwedischen Uppsala in eine protestantische Pastorenfamilie geboren, erschuf seit den 1940ern  in zahllosen Theaterinszenierungen und in der Filmgeschichte ein einzigartiges Universum. Seine Themen waren oft grüblerisch: Der Tod, das Schweigen Gottes, der Sinn des Lebens. Seine Stilmittel waren oft expressive Bilder mit harten Schattierungen oder quälend lange Naheinstellungen.

Zu beiden Kunstformen, der Bühne und dem Film, besaß Bergman  ein fast erotisches Verhältnis. So bezeichnete er das Theater  „als treue Ehefrau“, das Kino hingegen als „aufregende Geliebte“, als "Abenteuer".

Diese Leidenschaft zeigte Bergman immer wieder in seinen Werken. So etwa in der Begeisterung eines Jungen für das Theater in dem nostalgischen „Fanny und Alexander“ (1982). Der eigene Erfahrungen einbringende Film war neben dem Mutter-Tochter-Drama „Herbstsonate" (1978, mit Hollywoodstar Ingrid Bergman) ein großer Publikumserfolg. 

Seinen größten kommerziellen Erfolg erlebte Bergman jedoch  mit "Das Schweigen" (1963). Wegen der damals als skandalös geltenden Sexszenen löste er vor hitzige Debatten,aus. Wie weit sollte Kunst gehen dürfen, um sich auszudrücken? 

1966 entstand dann mit „Persona“ ein weiteres, wichtiges Hauptwerk. Nach einem Krankenhausaufenthalt und heimgesucht von Depressionen, vermischte Bergman hier das Beziehungsdrama zweier Frauen mit Elementen des Experimentalfilms. Ein interpretationsoffener, Film, stilistisch jedoch in sich geschlossen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Drehort - die karge Ostseeinsel Fårö. Sie erwies sich wie geschaffen für expressive Bilder. Sie wurde fortan zu Ingmar Bergmans bevorzugten Wohn- und Drehort. Dort entstanden auch Filme wie der surreale Horrorfilm "Die Stunde des Wolfs" (1967) oder das Kriegsdrama "Schande" (1968), einer düsteren Reflektion auf den Vietnamkrieg.

1997 zeichnete ihn das Festival in Cannes als „Besten Regisseur aller Zeiten“ aus.Wie seine drei Oscars nahm er den Preis nicht persönlich an.Seine wahre Befriedigung fand Bergman nicht in Auszeichnungen, sondern in seiner Arbeit. Seinen letzten Film drehte Bergman 2003 mit „Sarabande“, einer  Fortsetzung von „Szenen einer Ehe“, erneut besetzt mit seiner Exfrau Liv Ullmann und  Erland Josephson. 

Bergman verbrachte seine letzten Jahre auf Fårö, wo er am 2007 mit 89 Jahren starb. Sein Archiv wurde ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen, das Wohnhaus ist Sitz einer Ingmar Bergman-Stiftung. Sein Einfluß ist unbestreitbar:  Ob Lars von Trier, Woody Allen. Andrej Tarkowskij oder der Horrorfilmer Wes Craven - sie alle verdanken Bergman einzelne Szenen oder ganze Filme. Bergman mag zwar seit knapp 11 Jahren tot sein. Als Inspiration ist er aber immer noch lebendig.Bis heute.