Knastfilm-Klassiker im Remake Hunnam als "Papillon": Männerherz kennt keinen Schmerz

Von Daniel Benedict

Schmetterling auf der Brust: Charlie Hunnam als "Papillon". Foto: ConstantinSchmetterling auf der Brust: Charlie Hunnam als "Papillon". Foto: Constantin

Berlin. Charlie Hunnam spielt die Hauptrolle im Remake von "Papillon". Der Knast- und Männerfilm ist wie aus der Zeit gefallen.

1973 wurde  "Papillon" mit Steve McQueen und Dustin Hoffma zum Klassiker des Gefängnisfilms. Am 26. Juli kommt nun Michael Noers Remake mit Charlie Hunnam ins Kino.




Wer war Papillon?

1931 wird der Gangster Henri Charrière wegen Totschlags verurteilt und in die Strafkolonie Französisch-Guyana überführt. 14 Jahre lang hält der Mann, der wegen eines Schmetterlingstattoos Papillon genannt wird, dort grausamen Lagerbedingungen stand. Immer wieder riskiert er kühne Fluchtversuche, die mit mehrjähriger Einzelhaft bestraft werden. Er wird geschunden, aber am Ende triumphiert Papillon. Ungeachtet der Zweifel an ihrem Wahrheitsgehalt: 1969 gelang Charrière mit diesen Memoiren ein Bestseller. 1973 folgte die Verfilmung mit Steve McQueen und Dustin Hoffman – und nun kommt ein Remake von Michael Noer. 

Ein Mann lässt sich nicht brechen: Schon im alten Film, für dessen Kerkerszenen Steve McQueen sich staubgrau schminkte, wirkt die Widerstandspose theaterhaft. Ein halbes Jahrhundert später erscheint das Durchhalte-Ethos dieses Abenteuerromans ganz aus der Zeit gefallen. Selbst Superhelden werden spätestens seit Christopher Nolans Batman-Filmen als verletzbare Leidensfiguren inszeniert. In „Papillon“ dagegen erträgt der Mann nur deshalb schlimmstes Misshandlungen, damit sein Heldentum zuletzt umso heller strahlt.  (Auch kein Kracher: Wie gut war Charlie Hunnam als "King Arthur"?)




Charlie Hunnams Papillon: schon als Veteran geboren

Charlie Hunnam, der diesmal den Papillon spielt, betritt die Szene von Anfang an mit größter Souveränität: Wenn Mithäftlingen die Därme aus dem Leib geschlitzt werden, bleibt er ungerührt. Und schon am ersten Tag in der Strafkolonie, durchschaut er den Lagerkosmos wie ein Veteran. Wenn dieser Mann auch Dunkelhaft bei Wasser und Brot übersteht, erfüllt er nur die Erwartungen an einen echten Kerl. Das Männerbild strahlt auch auf die Sexualität ab, und es wird nie ganz klar, an wen sich die Botschaft richtet, wenn die Figuren immer wieder ihre Heterosexualität betonen - an ihr homophobes Umfeld oder ans Publikum? (Heißer Stoff, kalte Füße: Warum Charlie Hunnam bei "50 Shades of Grey" ausgestiegen ist)

Deutlich bleibt die Botschaft auf jeden Fall, wie auch der Rest der Inszenierung: Verliestüren sind in „Papillon“ schmierig und rostig, Schurken inszeniert Noer als fette, stark behaarte Monstren. Sogar beim Schauspiel wird dick aufgetragen: Rami Marek erbt die Rolle als Mithälftling Dega und überbietet Dustin Hoffmans Overacting noch. Vielleicht ist die Ästhetik auch deshalb so aufgedonnert, weil das Eigentliche so schlecht zu bebildern ist: Einsamkeit und Sinnverlust dürften weit schlimmer als das Ungeziefer im Kerker sein; trotzdem ist Noer schnell damit durch: Die ersten 22 Monate Isolationshaft verstreichen in acht Filmminuten; für die nächsten Jahre braucht es nur noch einen einzigen Schnitt.

„Papillon“. USA 2017. R: Michael Noer. D: Charlie Hunnam, Rami Malek, Roland Møller. 132 Minuten, ab 12 Jahren. Filmstart: 26. Juli 2018.


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