"Ant-Man and the Wasp" Marvels Bester: Warum wird "Ant-Man" so unterschätzt?

Von Daniel Benedict

Können Sie das auch mit anderen Körperteilen? Ant-Man (Paul Rudd) kann mit seinem Kampfanzug auch zum Riesen werden.Können Sie das auch mit anderen Körperteilen? Ant-Man (Paul Rudd) kann mit seinem Kampfanzug auch zum Riesen werden.

Berlin. Erster Marvel-Film mit einer Frau im Titel: Wird "Ant-Man and the Wasp" seiner Bedeutung im Comic-Universum gerecht?

Er ist nicht der erfolgreichste, aber der lustigste Held des Marvel-Universums. Jetzt kommt der zweite Einsatz des Ameisenmanns: Am 26. Juli startet  "Ant-Man and the Wasp" im Kino? Wie gut ist er?




Wovon handelt "Ant-Man 2"? 

Am Ende seines ersten Abenteuers überlebte Scott Lang alias Ant-Man eine Verkleinerung auf subatomare Größe. Dass der Superheld mit dem Schrumpf-Anzug unversehrt aus dem „Quantum Realm“ zurückkehrte, weckte auch neue Hoffnungen in Hank Pym und seiner Tochter Hope van Dyne – die vor Jahrzehnten in der Mikro-Welt ihre Frau bzw. Mutter verloren hatten. Ist Janet van Dyne womöglich noch am Leben? Hope schlüpft in den Anzug der Wasp und wagt mit Ant-Man die Rettungsmission. Der Stolperstein: Finstere Schwarzmarkt-Händler und ein Superschurke namens Ghost haben Pyms Verkleinerungstechnologie samt Labor geklaut – ein Hochhaus, das sich auf das Format eines Rollkoffers kondensieren lässt.  (Hotel Artemis, Mamma Mia,  Sicario 2: Welche Sommer-Filmstarts sind ihr Geld wert?)


500-Millionen-Pleite: "Ant-Man" nur auf Rang 16

An der Kasse war der erste „Ant-Man“-Film (2015) eine Enttäuschung – trotz eines Einspielergebnisses von einer halben Milliarde Dollar. In der Liste von bislang 19 gigantomanischen Marvel-Filmen reicht selbst das nur für Platz 16. Der finanzielle Rang entspricht allerdings nicht dem ästhetischen eines Films, der zu den charmantesten seiner Reihe zählt. Umso erfreulicher also, dass Marvel den von Paul Rudd gespielten Helden noch einmal ins Rennen schickt und nicht mal den Regisseur Peyton Reed ersetzt.  (Die Vorgeschichte: Worum ging's im ersten "Ant-Man"?) 

Die Kleinsten werden die Größten sein

Noch einmal spielt der Film die Möglichkeiten einer Welt durch, in der Größenverhältnisse unzuverlässig sind: von Verfolgungsjagden in Spielzeugautos über Laster als Tretroller bis hin zum Salzstreuer, der – auf Schrankgröße aufgepumpt – zur Waffe wird. Dass Ant-Man diesmal einen unausgereiften Prototyp seines Kampfanzugs trägt, ergänzt die Geschichte um ein Motiv, das eigentlich in jedes Sci-Fi-Abenteuer gehört – das Scheitern: Mal wächst Scott Lang versehentlich so groß stark, dass er in der Besenkammer festsitzt; mal bleibt er im Körper von der Größe eines Kita-Kindes stecken.




Luis hui, Quantum Realm pfui

Der Einfallsreichtum von „Ant-Man and the Wasp“ beschränkt sich aber bei weitem nicht auf das Kernthema. Immer wieder gelingen Momente, die im Gedächtnis bleiben: In der Eröffnungssequenz baut Scott Lang seiner Tochter die lasergesicherten Tunnel und Schluchten seines Helden-Daseins als Papp-Parcours nach – und schafft eine Bastel-Parallelwelt wie aus einem Film von Michel Gondry. Und als Scotts Kumpel Luis Wahrheitsdrogen verpasst kriegt, folgt eine Steigerung der tollen Quasselsequenz aus Teil 1: Luis‘ unendlicher Sermon wird mit Spielszenen bebildert, in denen alle Figuren mit seiner aufgeregten Off- Stimme sprechen.

Ein bisschen esoterisch fällt dagegen die Visualisierung des „Quantum Realm“ aus: Optisch ist die mikroskopische Welt ein psychedelisches Blubbern, aus dem heraus die Mutter der Wasp (Michelle Pfeiffer mit der weißen Mähne einer Kräuterhexe) nach Belieben in die Marko-Welt eingreift. Die logischen Probleme der Ebene – Wie orientiert/ernährt/beschäftigt sich Janet van Dyne sich auf atomarer Ebene? Wieso wird sie in der Isolation nicht verrückt? – sind dem Film in dreister Weise völlig egal. (Captain Marvel und Avengers 4: Alle Planungen im MCU)

The Wasp - die erste Marvel-Frau im Filmtitel

Der zwanzigste Film aus dem Marvel-Universum ist zugleich der erste mit einer Heldin im Titel. (Der Kassenerfolg „Wonder Woman“ stammt bekanntlich aus der konkurrierenden DC-Welt.) Angesichts der Geschlechter-Debatte in Hollywood bedeutet das eine überfällige Verpflichtung, der Peyton Reed bestens nachkommt. Und das nicht nur durch eher mechanische Ergänzung weiblicher Figuren. Schließlich hat „Ocean’s 8“ gerade erst bewiesen: Selbst ein Dutzend erstklassiger Schauspielerinnen garantiert noch keinen neuen Blick auf Rollenbilder. „Ant-Man“ ist viel intelligenter, auch weil er nicht nur Frauen, sondern auch die Männer anders inszeniert: Hank Pym wird als Ellbogen-Kerl alter Schule gezeigt, ohne dessen aggressives Führungsverhalten es die Schurken, die ihm nun ans Leder wollen, überhaupt nicht gäbe. Ant-Man selbst wird als beste Oma der Welt gefeiert, schwul angeflirtet und in einem Körpertausch-Gag sogar sprichwörtlich zur Frau. Das Männlichste an diesem Superhelden ist die Fürsorge für sein Kind. So durchdekliniert, klingt es womöglich nach Gender-Trouble, der dem Zeitgeist hinterherhechelt. Tatsächlich ist der Film aber vor allem einfach sehr, sehr lustig.

„Ant-Man and the Wasp“. USA 2018. R: Peyton Reed. D: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Hannah John-Kamen, Lawrence Fishburne. 118 Minuten. Filmstart: 26. Juli 2018.


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