Kommentar: US-Orchester Absurde Nischen der Ungleichbehandlung

Von Christine Adam

Nur Kleider für die Damen:  Die New Yorker Philharmoniker in der David Geffen Hall. Foto: dpa/Chris LeeNur Kleider für die Damen: Die New Yorker Philharmoniker in der David Geffen Hall. Foto: dpa/Chris Lee

Osnabrück. Dass der Dresscode in US-Orchestern bei gleicher Ausbildung der Geschlechter Frauen Hosen verbietet, ist besonders absurd und hinderlich – ein Kommentar.

Manche Nischen, in denen die Benachteiligung von Frauen noch immer steckt, sind besonders merkwürdig. Ausgerechnet in vielen Orchestern Amerikas verbietet der Dresscode den Musikerinnen bislang, Hosen zu tragen – einfach absurd. Denn gerade die lange Ausbildung von Berufsmusikern hat so gar nichts Geschlechtsspezifisches. Ein Musiker, eine Musikerin muss einfach nur gut sein, und das bedeutet harte Arbeit am Instrument. Genau die behindern Röcke oder Kleider weitaus eher als Hosen.

Cellistinnen etwa sitzen ganz vorn auf ihrem Stuhlrand und halten ihr großes Instrument zwischen den Beinen. Mit schickem Minirock ist das schon mal nicht zu machen und auch mit einem Kleid leicht eine Peinlichkeit, zumindest aber eine Verunsicherung der Spielerin. Es kommen also nur weite und sehr lange Kleider und Röcke infrage. Bei der einen oder anderen Cellistin sähe da eine Hose sogar eleganter aus..

Geht es überhaupt ums Aussehen bei den vorsintflutlichen Dresscodes, wenn Musikerinnen in vergleichbarer Position nur 75 Prozent des Gehalts männlicher Kollegen bekommen? Haben sie nicht die gleiche kostspielige Ausbildung hinter sich wie die Männer? Dass in doch möglichst homogenen Klangkörpern überhaupt Zwietracht gesät wird durch Ungleichbehandlung, darf im 21. Jahrhundert nicht mehr wahr sein.