Stürme der Liebe und der See Zwischen Melodram und Thriller: "Die Farbe des Horizonts"

Von Tobias Sunderdiek

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Ein Sturm zieht auf: Richard (Sam Claflin) und Tami (Shailene Woodley) ahnen Böses. Foto: TobisEin Sturm zieht auf: Richard (Sam Claflin) und Tami (Shailene Woodley) ahnen Böses. Foto: Tobis

Osnabrück. In Baltasar Kormákur neuesten Film muss ein schiffbrüchiges Paar in den Weiten des Pazifiks ums Überleben kämpfen.

Der Stille Ozean kann ganz schön laut sein. Und gefährlich. Sturmfronten verwandeln die See in tosende Wellenberge und -täler. Ein Segelboot, und sei es noch so gut ausgestattet, wird da rasch zum Spielball gewaltiger, tödlicher Naturkräfte.

Das müssen auch die beiden Globetrotter Tami (Shailene Woodley), eine 24-jährige Amerikanerin, und der Brite Richard (Sam Claflin), 33 Jahre alt, erleben. Zusammen sollen sie für ein reiches Ehepaar eine Segelyacht von Tahiti nach San Diego überführen. Ein angenehmer – und dazu auch noch lukrativer – Job für das frisch verliebte Paar. Unterwegs jedoch, abseits der normalen Schiffs- und Flugrouten, geraten sie in einen fürchterlichen Sturm.

Die beiden geraten in Seenot. Richard ist außerdem verletzt. Er hat sich ein Bein und mehrere Rippen gebrochen. Tami hingegen hat kaum Kenntnisse von Nautik. Dazu werden der Trinkwasservorräte und die Lebensmittel knapp. Währenddessen verschlechtert sich Richards Gesundheitszustand rapide. Die einzige Chance, zu überleben besteht darin, Hawaii anzusegeln. Doch ein paar Kilometer Kursabweichung reichen aus, um sich in den Weiten des Pazifiks zu verlieren. Für immer.

Eine Katastrophe folgt auf die nächste. Das war schon immer das Grundprinzip aller Survival-Thriller . Auch der jüngste Film von Baltasar Kormákur macht da keine Ausnahme. Basierend auf einer wahren Geschichte, erzählt der aus Island stammenden Regisseur nach „Everest“ (2015) und „The Deep“ (2012) erneut vom Kampf des Menschen gegen die Natur. Sein Thema diesmal: Die 41 Tage dauernden Odyssee auf hoher See.

Die Dramatik des Schiffsbruchs, das Alleinsein in der Wasserwüste, Hunger und Durst, der Sturm, die brennende Sonne – all das macht Kormákur durchaus spürbar. Selbst wenn die meisten Storyelemente eher bekannten Mustern aus ähnlich gelagerten Filmen folgen.

Probleme bereitet der Film da, wo er in einer fast wahllos erscheinenden Rückblendenstruktur die Vor- und Liebesgeschichte des Paares erzählt. Das hat sich allerlei zu sagen – allerdings reichlich viel und dazu leider nur Triviales. Dies sind Elemente, die eher in einer TV-Serie zu erwarten wären.

Auch der deutsche Verleihtitel „Die Farben des Horizonts“ (im Original: „Adrift“) ist da recht beliebig. Es könnte schließlich die Überschrift eines Nicholas Sparks-Schmökers sein. Kommt hinzu, dass das Plakatmotiv Kitsch pur bietet und keinerlei Hinweis auf die Dramatik des Geschehens zulässt. Es zeigt ein sich innig zuwendende Paar und einen Sonnenuntergang mit einem Segelboot.

Schade auch, das Kormákur nicht den Mut gefunden hat, wie in J.C. Chandors Seenotdrama „All is Lost“ (mit Robert Redford) einfach das Essentielle des Überlebenskampfes zu zeigen, ohne dabei  unnötiges, arg koventionelles  Beiwerk zu verwenden.

Gelungen ist hingegen die Besetzung der Hauptrollen: Sam Claflin („Meine Cousine Rachel“) und vor allem die toughe Shailene Woodley („Snowden“) beweisen durchaus Talent. Und so ist es auch ihrer Darstellung zu verdanken, dass der Film nicht das Schicksal vieler Schiffbrüchiger teilt: Unterzugehen in den Tiefen des völligen Vergessens.


„Die Farbe des Horizonts“. USA/China 2018. R: Baltasar Kormákur. D.: Shailene Woodley, Sam Claflin, Grace Palmer. 97 Minuten. FSK: ab 12.

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