Serie magische Museen Lübecker Hansemuseum gräbt 400 Jahre Geschichte aus

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Äußerst schlicht gibt sich das Europäische Hansemuseum in Lübeck von der Traveseite aus. Doch seine Backsteinoptik korrespondiert bewusst mit der Welterbe-Altstadt. Foto: Thomas RadbruchÄußerst schlicht gibt sich das Europäische Hansemuseum in Lübeck von der Traveseite aus. Doch seine Backsteinoptik korrespondiert bewusst mit der Welterbe-Altstadt. Foto: Thomas Radbruch

Lübeck. Hinab in verschüttete Epochen entführt das Europäische Hansemuseum und liefert einen Schlüssel zur Hansestadt Lübeck.

Im ersten Moment, von der Seite des Flusses Trave aus gesehen, könnte man den extrem schlichten Haupteingang des Europäischen Hansemuseums (erst 2015 eröffnet) für das Kellergeschoss zum schmucken Burgkloster (1229-1531) halten. Doch schnell dämmern mögliche Zusammenhänge auf: Lübeck mit seiner als Unesco-Welterbe geadelten Altstadt, mit seinen Wahrzeichen Holstentor, Salzspeicher, sieben Kirchentürmen und der allgegenwärtigen Backsteinarchitektur ist markant genug, um keinen neuen Museumsprachtbau zu brauchen. Lübecks geschichtliche Vergangenheit drängt sich überall optisch auf, stellt Fragen nach dem Warum und Woher.  



Passender Standort: Direkt an der Trave mit ihren Hafenanlagen liegt das Europäische Hansemuseum, Im Bild ein Blick von der Terrasse des Cafés. Foto: Christine Adam


Antworten liefert eine verborgene Unterwelt unter der Altstadt auf der Halbinsel zwischen Trave und Wakenitz, aus der archäologische Grabungen Aufschlussreiches zutage fördern. An diese Vergangenheitsschichten knüpft das am Hafen mit Zugang zur Ostsee gelegene Museum geschickt an. Die schlichte Eleganz des Backsteinbaus vermittelt zwischen außen und innen, bevor es mit dem Aufzug hinab geht in die Geschichte der Stadt und die der Hanse. Diesem so einmaligen Bund, mit dem sich Kaufleute der Ostsee- und Nordseeländer seit dem 11. Jahrhundert ihre Handelswege sicherten.

Geschichtskapitel in Kabinetten


Einen schönen Blick auf das Gebäudeensemble rund ums Burgkloster und auf die Trave eröffnet die Terrasse auf dem Dach des Hansemuseums. Foto: Christine Adam



Magisch ist das schon, was sich im Dämmerlicht und zu gedämpft raunender Musik dem Auge bietet: Anfangs alte, ausgegrabene Mauern- und Brunnenreste, natürlich aus Backstein. Stege, über die man chronologisch aufbereitet 400 Jahre Hansegeschichte durchschreitet. Gefühlt unzählige Kabinette hinter schweren und sich doch leise schließenden Türen, die jeweils ein Kapitel oder ein Thema abhandeln. 


Salzheringe waren die zentrale Handelsware der Hansekaufleute. Foto: Christine Adam


Auf der einen Seite prangen attraktiv beleuchtete Schautafeln, Dioramen genannt, die die staunenswerten Routen der niederdeutschen Kaufleute zu See und Lande erst nach Gotland, dann ins russische Nowgorod (mit Handelsanschluss an die Seidenstraße!), ins Hansekontor von Brügge, den Stalhof in London oder das Kontor in Bergen veranschaulichen. Auf der anderen Seite liegen wie gestrandet die mächtigen Überreste einer Kogge, die mit Fässern, verstaubten Gebrauchsgegenständen und sogar geschlachteten Hühnern an Bord versuchen, die Realität des beschwerlichen und gefährlichen Lebens auf See vor Augen zu führen. 


Elektronik trifft auf Dreck


Modern leuchtende Infografiken stehen überall im Kontrast zu mittelalterlichem Handwerkszeug. Foto: Olaf Malzahn


Wer sich Zusatzinformationen wünscht, kann sie interaktiv an Tafeln auswählen. Überall trifft bunt blinkende, blitzsaubere und moderne Elektronik auf gleichsam historischen Dreck und Staub. 


Ein Pestkarren mit verhüllter Leiche steht auf altem Kopfsteinpflaster. Foto: Christine Adam



Über Lehmböden, Bohlen oder die Knüppeldämme der damaligen Zeit schreitet der Besucher von Raum zu Raum, begegnet der bunten Handelsware wie Salzheringen, edlen Tuchen bis hin zu exotischen Früchten oder aber den verklebten Arbeitsutensilien für das Bauen mit Backsteinen oder einem Pestkarren mit verhüllter Leiche. Spannend zu sehen eben auch, wie sich die Pest geografisch von Nordasien bis nach Moskau verbreitet hat, welchen Wirtschaftsniedergang sie bewirkte.

Futter vor allem für den Kopf


Stimmungsvolles Kabinett mit Handelsgütern wie edlen Tuchen, Gewürzen und Früchten. Foto: Christine Adam


Jede Menge Wissenswertes, über die Entwicklung der Kaufmannshanse zur Städtehanse (ab 14.., ), über Stadt- und Wirtschaftsentwicklung, die rund 300 See- und Binnenstädte zur Hochzeit der Städtehanse oder den berühmten Lübecker Hansetag von 1518, wird ausgebreitet. Mit reichlich Lesetexten wird vor allem der Kopf angesprochen. So bleiben Wetterunbilden, Gefahren durch Seeräuber, das mönchische Leben der Kaufleute in den fernen Hansestützpunkten oder die eigene Gerichtsbarkeit der Hansestädte ein wenig abstrakt. Ein bisschen mehr in Szene gesetzte Geschichte würden das Museum noch magischer machen, zumal es viele Kinder mit ihren Eltern besuchen.


Unglaublich lebensecht sehen die Dominikanermönche aus, die dem Besucher in einem dunklen Gang begegnen. Foto: Thomas Radbruch


Plötzlich aber bleiben berührt auch die Erwachsenen stehen, wenn es in einem schummrigen Gang hautnah vorbei geht an lebensecht miteinander parlierenden Gruppen von wächsernen Dominikanermönchen aus dem Burgkloster. Danach geht es wieder aufwärts aus dem Dunkel der Geschichte ins pulsierende Leben der Großstadt Lübeck. Die einst den riesigen Städtebund anführte und immer noch stolz darauf ist, freie Hansestadt zu sein. Mit dem Hansemuseum hat sie sich ein überfälliges Denkmal gesetzt, das ihre reiche Geschichte zu faszinierendem Leben erweckt. 


Öffnungszeiten

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck ist täglich von 10-18 Uhr geöffnet (außer 24. Dezember). Weitere Infos unter www.hansemuseum.eu

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN