Kirsten Boie, Donna Tartt, Kate Quinn Starke Frauen, ein Hund und Unsterbliche: Buchtipps für den Sommer

Von Manuela Kanies, Corinna Berghahn und Olga Zudilin

Unsere Buchtipps für den Sommer mit einem abenteuerlustigen Hund, einem Milliardär, der die Welt verändert, einer spannenden Familiengeschichte, wehrhaften Frauen und einem düsteren Fantasyhelden: Da sollte für jeden etwas dabei sein. Foto: Colourbox.deUnsere Buchtipps für den Sommer mit einem abenteuerlustigen Hund, einem Milliardär, der die Welt verändert, einer spannenden Familiengeschichte, wehrhaften Frauen und einem düsteren Fantasyhelden: Da sollte für jeden etwas dabei sein. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Ein abenteuerlustiger Hund, wehrhafte Frauen, ein Unsterblicher auf der Suche nach Liebe und ein realer Milliardär, der unsere Welt revolutioniert: Wir lesen gerade neue und alte spannende Bücher - und hoffen, da ist auch etwas für Sie dabei.

"Ein Stück vom Leben & Eine Handvoll Glück" von Barbara Noack 

Zufällig beim Sortieren des Bücherregals wiedergefunden und wie beglückt an zwei Tagen durchgelesen. Denn diese beiden zusammenhängenden Romane aus den frühen 1980er Jahren sind gealtert wie guter Wein. Kein Wunder: Sie erzählen über hunderte Seiten über die ewigen Themen, nämlich Freundschaft, Loyalität, Familie, Liebe, Tod und Heimat – und das so witzig und leicht, dass man sich in den Büchern immer wieder verlieren kann.

Dreh- und Angelpunkt der Romane sind die Freundinnen Luise und Jolande, die trotz aller Unterschiedlichkeiten beste Freundinnen im Berlin der 1930er werden, zusammen den Krieg und die Bomben auf Berlin er- und überleben, sich dann Mitte der 50er Jahre aus den Augen verlieren, bis sie sich als ältere Frauen wieder treffen. Dazwischen erleben sie die Diktatur aus Kinder- und Jugendsicht, wundern sich, wo die jüdischen Klassenkameradinnen bleiben, finden Gefallen an Mitläufern und Dissidenten, verlieben sich in Schnösel und Piloten, verlieren ihre Liebsten und auch ihre Sicherheiten im Kriegsgewirr und stehen dann doch immer wieder auf.

Barbara Noack kennen einige Leser vielleicht durch den Lilo-Pulver-Klassiker „Die Züricher Verlobung“ oder die TV-Serie „Der Bastian“, zu denen sie jeweils die Buchvorlage schrieb. Heute ist Noack weit über 90 Jahre alt und hat sich längst aus dem Buchgeschäft zurück gezogen. Doch diese leicht autobiographischen Romane sind immer noch großartig und dabei nie trivial. Seltsam, dass bis dato noch niemand eine Verfilmung geplant hat. (Corinna Berghahn)

Screenshot: Amazon.de/NOZ

Barbara Noack: Ein Stück vom Leben (1982) & Eine Handvoll Glück (1984); beide Bücher sind antiquarisch zu erwerben oder als eBooks erhältlich

"Arthur: Der Hund, der den Dschungel durchquerte, um ein Zuhause zu finden" von Mikael Lindnord 

Für alle Tier- und vor allem Hundeliebhaber ein Muss: In dem Buch „Arthur: Der Hund, der den Dschungel durchquerte, um ein Zuhause zu finden“ erzählt der Extremsportler Mikael Lindnord, wie der Straßenhund Arthur in sein Leben getreten ist. Und diese – übrigens wahre – Geschichte kann rührender und spektakulärer kaum sein.

Im Jahr 2014 kämpft sich Lindnord mit seinem Adventure-Racing Team durch den Dschungel Ecuadors. Die vier Extremsportler müssen mit Fahrrad, zu Fuß und mit Kajak in sechs Tagen 700 Kilometer im Dschungel durchqueren. Körperliche und geistige Herausforderung, Hunger, Verletzungen und Schmerzen – das Team muss alles geben, um das Rennen zu überstehen. Ein Hund ist so ziemlich das Letzte, worum sich das Team kümmern kann.

Doch als Lindnord zum ersten Mal den verdreckten, verletzten und hungrigen Straßenhund Dschungel sieht, gibt er ihm aus Mitleid etwas von seiner Fleischbällchen-Ration ab. Ab diesem Moment weicht der kranke Arthur dem Team und vor allem Lindnord nicht mehr von der Seite und überquert auch die steilsten Wege mit den Sportlern, denn er scheint instinktiv zu wissen: Lindnord ist seine einzige Chance auf ein Zuhause. Rührend beschreibt Lindnord, wie Arthur teilweise mit letzter Kraft versucht, mit dem Team mitzuhalten. Immer wieder rechnet der Sportler damit, dass der Hund wegläuft, doch Arthur bleibt hartnäckig und riskiert für ein neues Zuhause sogar sein Leben.

Auch wenn Lindnord kein großer Schriftsteller ist und man als Leser von Anfang an weiß, wie die Geschichte ausgeht, ist das Buch empfehlenswert. Es beschreibt eine wunderbare Freundschaft zwischen einem Hund und seinem Herrchen, die auf vollkommenem Vertrauen und einer schon fast spirituellen Verbindung basiert. Vor allem Menschen mit Haustieren wird dieses Buch zu Tränen rühren. (Olga Zudilin)

Foto: Verlag Edel Books

„Arthur: Der Hund, der den Dschungel durchquerte, um ein Zuhause zu finden“ von Mikael Lindnord, erschienen im Verlag Edel Books

„Die Gabe“ von Naomi Alderman

Was wäre, wenn alle Frauen eine Gabe hätten, mit der sie anderen Menschen durch Berührung Schmerzen zufügen könnten? Was würden die Frauen mit dieser Gabe anfangen? Dieses spannende Gedankenexperiment wagt Naomi Alderman in ihrem Roman „Die Gabe“. Obwohl der Roman als Science Fiction durchgeht, hat er nichts mit Raumschiffen oder alternativen Welten zu tun. Ähnlich wie Margaret Atwood, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, entwirft Alderman eine nicht weit entfernte Zukunft, die sich von unserer Gesellschaft nicht stark unterscheidet. Weltweit werden Frauen unterdrückt, missbraucht und getötet – von Männern. Dank der Gabe können sie sich nun von ihren Unterdrückern befreien.

Und das ist ziemlich brutal und sadistisch. Nicht nur Mörder und Vergewaltiger werden umgebracht, auch freundliche Männer geraten ins Visier einiger Frauen. Nun sind die Männer das schwache Geschlecht, aber macht das die Welt besser? Die Handlung wird aus der Perspektive verschiedener Frauen und junger Mädchen erzählt. Dieser Kniff ermöglicht das tiefe Eintauchen in die verschiedenen Gedankenwelten und erzeugt Spannung. Aber auch Widerwillen, wenn zu radikalen Maßnahmen gegriffen wird, um Männer unschädlich zu machen. „Die Gabe“ ist nicht leicht wegzulesen, hinterlässt ein mulmiges Gefühl und hält dem Vergleich mit Atwoods Bestseller „Der Report der Magd“ durchaus stand. (Manuela Kanies)

Foto: Heyne Verlag

„Die Gabe“ von Naomi Alderman ist im Heyne Verlag erschienen

"Ein Sommer in Sommerby " von Kirsten Boie 

Ein Kinderbuch über eine vermeintliche Landidylle, das aber mit vielen kitschigen Landlust-Klischees bricht, ist „Ein Sommer in Sommerby“, das neuste Buch von Kirsten Boie. Die ist längst ein Muss für Kinder und für vorlesende Eltern geworden. Ob der kleine Ritter Trenk, Seeräubermoses oder die Kinder vom Möwenweg: Die Helden aus ihren Büchern finden sich in vielen Kinderzimmern der Republik wieder.

Ihr aktuelles Buch erzählt nun von drei Hamburger Geschwistern, die nach dem Unfall der Mutter ihre Ferien bei der ihnen fremden Oma auf einer einsam gelegenen Seezunge an der Schlei verbringen müssen. Dort gibt es (Kreisch!) weder W-Lan noch andere Dinge, auf die Teenie Martha verzichten mag. Ihr kleineren Brüder Mikkel und Mats haben es da leichter: Sie sind schon zufrieden, wenn sie die Gänse der Oma füttern dürfen. Nur dass die Oma ihr Nutzvieh schlachten wird, wollen die Kinder nicht einsehen – so gut ihnen Würstchen auch schmecken. Doch mit der Zeit finden die drei Gefallen an der alten Frau und ihrer rustikalen Einstellung zum Landleben. Gleichzeitig merkt die Oma, dass ihr in den Jahren etwas spröde gewordenes Herz für die Enkel schlägt. Und dann gibt es da noch einen nächtlichen Besucher, der versucht, Angst und Schrecken zu verbreiten…

„Ein Sommer in Sommerby“ ist vieles zugleich: Idylle, Familiengeschichte, etwas Krimi, etwas Romanze und dazu noch wunderbar unaufgeregt geschrieben. Ein tolles Buch für den Sommer und die Ferien, ob nun zum Lesen oder Vorlesen. (Corinna Berghahn)

Foto: Oetinger-Verlag

Kirsten Boie: Ein Sommer in Sommerby, für Leser ab zehn Jahren, erschienen beim Oetinger-Verlag

„Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig

Tom Hazard ist unsterblich und hat in seinen 400 Lebensjahren schon so manchen Promi getroffen. Darunter: Shakespeare, F. Scott Fitzgerald und Hemingway. Doch das lange Leben meint es nicht gut mit ihm. Er altert so gut wie nicht. Um Hexenjagden zu entgehen, muss er ständig umziehen und darf sich nicht an andere Menschen hängen. Für die Gesellschaft der Albatrosse rekrutiert er Menschen mit der gleichen Krankheit, aber eigentlich hat er sich den dubiosen Albas nur angeschlossen, um seine Tochter zu finden, sie ist ebenfalls unsterblich.

Zu Beginn seines Lebens verliebte sich Tom. Diese Liebesgeschichte erzählt Autor Matt Haig in „Wie man die Zeit anhält“ in schmerzvollen Rückblicken. Seitdem muss Tom der Maxime folgen, sich nicht mehr zu verlieben, was nicht schwer ist, da er alle acht Jahre umziehen muss. Doch im heutigen London begegnet er der Französin Camille und erliegt unwillkürlich ihrem Charme.

Matt Haig schreibt leicht und schnörkellos über die schweren Jahre von Tom Hazard, seine Entbehrungen und seine Einsamkeit. Die Geschichte über den Unsterblichen fesselt durch die schnellen Zeitsprünge, verwirrt aber nicht, da die Anzahl der Figuren klein gehalten wird. Dieses Buch möchte man schnell lesen, um zu erfahren, ob es endlich ein Happy End für den schwermütigen Mann gibt, doch man sollte sich Zeit lassen und die schönen Sätze von Matt Haig genießen.

Oftmals erkennt man Lebenserfahrungen von Haig in dem Roman, wenn man sein Buch „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ kennt. Mit Ende 20 erkrankte der Autor an einer schweren Depression und wollte Suizid begehen. Mit Tom Hazard hat Haig eine Figur erschaffen, die sich wie der Autor zurück in ein lebens- und liebenswertes Leben kämpft. Egal, um welches Buch von Matt Haig es sich handelt, Roman, Sach- oder Kinderbuch, sie sind immer außergewöhnlich lesenswert! (Manuela Kanies)

Foto: Verlag dtv

"Wie man die Zeit anhält" von Matt Haig, erschienen im Verlag dtv

"Der Distelfink" von Donna Tartt 

Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Roman „Distelfink“ der amerikanischen Schriftstellerin Donna Tartt wird seit der Buchveröffentlichung im Jahr 2013 gefeiert – und das zu Recht. Auf den ersten Blick mag die Geschichte erst einmal langweilig klingen: Das Buch handelt von einem Gemälde – und zwar vom „Distelfink“ des niederländischen Malers Carel Fabritius. Die amerikanische Schriftstellerin erschafft in dem 1000 Seiten langen Roman eine intensive und schon fast klaustrophobische Gefühlswelt des traumatisierten Protagonisten Theo Decker. Theo ist 13 Jahre alt, als er seine Mutter bei einem Bombenanschlag in einem New Yorker Museum verliert. Der Junge überlebt den Anschlag verletzt und nimmt aus dem Museum das Gemälde „Der Distelfink“ mit. Von da an beginnt eine jahrelange Odyssee für den Jungen, für den das Gemälde der einzige Halt in seinem Leben wird.

Der Roman liest sich von da an wie ein packender Thriller, der mit zahlreichen unvorhergesehenen Wendungen gespickt ist. Doch es sind nicht die Erlebnisse des Jungen und später erwachsenen Mannes, die den Roman zu einem Meisterwerk machen. Tartt gelingt es, dem Leser die Gefühlswelt des vor Angst, Scham, Schuld, Einsamkeit und Schmerz geplagten Theo auf so eine eindringliche Weise nahe zu bringen, dass der Charakter den Leser nicht mehr loslässt.

Wer eine heitere Lektüre für den Strandurlaub im Sommer sucht, wird mit dem Buch nicht glücklich. Wer sich auf eine intensive Geschichte einlassen möchte, die Entwicklung von Charakteren in einem Roman zu schätzen weiß, und sich vielleicht auch noch für Kunstgeschichte interessiert, wird dieses Buch lieben. (Olga Zudilin)

Foto: Goldmann Verlag

„Der Distelfink“ von Donna Tartt, erschienen im Verlag Goldmann Verlag

„Elon Musk“ von Ashlee Vance 

Unternehmer und Milliardär Elon Musk wird gerne als „der da Vinci des 21. Jahrhunderts“ und als „Real Iron Man“ in Anlehnung an den Comichelden von Marvel bezeichnet und mit Größen wie Steve Jobs, Thomas Edison und Henry Ford verglichen. Musk hat mit PayPal das Bezahlen im Internet revolutioniert, mit den Elektroautos von Tesla den Automobilmarkt und mit SpaceX will er die Menschen zum Mars bringen. Wer ist der Mann hinter diesen Erfolgsgeschichten? Journalist Ashlee Vance tauchte für die Biografie tief in das Leben des in Südafrika geborenen Musk ein, traf seine Familie und Freunde und deckt auf, was das Genie antreibt.

Elon Musk ist ein Visionär, den die Welt jetzt gut gebrauchen kann: Wie da Vinci arbeitet er sich wie ein Besessener in verschiedene Themenfelder ein, denkt quer und entwirft faszinierende Projekte wie den Hyperloop zum Transport von Gütern und Menschen. Doch er ist auch eine schwer zugängliche Person, das muss Vance am eigenen Leib erfahren, als er mit seiner Biografie beginnen will. Musk lehnte das Vorhaben zunächst ab, erst 18 Monate später kam es zum ersten Treffen. Vance lernte Musk als schüchternen Menschen kennen, der seine Umwelt mit existenziellen Fragen löchert. Fasziniert und gespannt folgt man als Leser dem Autor auf seinem Streifzug durch Muskland, so nennt er die Welt des Milliardärs. Dem Journalisten ist ein einzigartiges Porträt des modernen Genies gelungen, das ein Must-read für Technikinteressierte und Fans von Steve Jobs ist. (Manuela Kanies)

Foto: FinanzBuch-Verlag

„Elon Musk – Die Biografie“ von Ashlee Vance, erschienen im Verlag FinanzBuch-Verlag

„Morgen gehört den Mutigen“ von Kate Quinn

Spionage, Liebe, verschollene Freunde: Der Roman „Morgen gehört den Mutigen“ von Kate Quinn war in den USA ein Bestseller, sogar Schauspielerin Reese Witherspoon lobte das Werk in den höchsten Tönen. Viele Lorbeeren, doch hält das Buch, was es verspricht? Und wie! Gleich von Beginn an weiß die Geschichte um zwei unterschiedliche Frauen zu fesseln: Charlie St. Clair will in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Cousine und einst beste Freundin wiederfinden, dafür entwischt sie ihrer strengen Mutter in England. Denn eigentlich soll sie in die Schweiz reisen, um dort ihr uneheliches Kind abzutreiben.

Bei der Suche nach ihrer Cousine soll ihr Eve Gardiner helfen. Sie war englische Spionin im Ersten Weltkrieg und ist mittlerweile ein echtes Raubein, das viel trinkt und so gar nicht dem weiblichen Klischee der damaligen Zeit entspricht. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Charlie und Eve erzählt, sie ist kurzweilig, spannend und lebt von den beiden einzigartigen Figuren, die gegen die Dominanz der Männer rebellieren. Im Original heißt der Roman „The Alice Network“ und spielt auf das reale Netzwerk von britischen Spioninnen an, auf dem das Buch basiert. Ein richtiger Pageturner! (Manuela Kanies)

Foto: Ullstein Verlag

„Morgen gehört den Mutigen“ von Kate Quinn ist im Ullstein Verlag erschienen


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