Neuer Kultfilm? "Hotel Artemis": Jodie Foster in der Killer-Klinik

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Mit seinem Gangster-Film "Hotel Artemis" debütiert der "Iron Man"-Autor Drew Pearce als Kino-Regisseur. Foto: ConcordeMit seinem Gangster-Film "Hotel Artemis" debütiert der "Iron Man"-Autor Drew Pearce als Kino-Regisseur. Foto: Concorde

Berlin. Jodie Foster kehrt mit "Hotel Artemis" vor die Kamera zurück - und wird von der Eitelkeit ihres Regisseurs überstrahlt.

Fünf volle Jahre lang stand Jodie Foster nur noch hinter der Kamera. In Drew Pearces "Hotel Artemis" (Filmstart 26. Juli) kehrt sie als Schauspielerin zurück. Es ist ein schönes Wiedersehen! (Von Ant-Man bis Bergman: die wichtigsten Filmstarts im Juli)




Was ist das "Hotel Artemis"?

Der Name ist nur Maskerade: In Wahrheit ist das "Hotel Artemis" eine geheime Klinik für angeschossene Gangster, die keine Fragen beantworten wollen. Gegründet hat es der Verbrecher-Boss Wolf King, geleitet wird es von Jean Thomas, aka "die Schwester". Seit der Drogentod ihres Sohnes sie in Alkoholismus und eine Angststörung gestürzt hat, kann sie als Ärztin nicht mehr legal praktizieren. Dass ihre Klinik im Jahr 2028 schon seit zwei Dekaden besteht, verdankt sich strengen Hausregeln: Das Töten anderer Patienten ist verboten. Als der Wolf King, eine Profi-Killerin und einige Juwelendiebe sich gegenseitig umbringen wollen, geraten die Grundsätze ins Wanken. Aus der explosiven Überbelegung entwickelt "Hotel Artemis" das ungewöhnliche Format eines Action-Kammerspiels. (Wann läuft Scorseses "Irishman" bei Netflix?)


Jodie Foster ist zurück

In seinem Mix aus staubigem Art-Déco-Schick und stolzer Hightech-Medizin ist das Haus die exakte Entsprechung seiner Herrin: Die Schwester ist ein Wrack, inmitten tödlicher Schwerverbrecher aber trotzdem die unangefochtene Autorität. Gespielt wird sie von Jodie Foster, die in den letzten zehn Jahren nur vier Rollen gespielt und stattdessen selbst inszeniert hat, von Filmen wie "Money Monster" (2016) bis zur Serien-Episoden wie "Orange is the New Black". Ihre letzte Rolle ("Elysium", 2013) liegt fünf Jahre zurück und umso schöner ist das Wiedersehen: Foster trippelt auf nervösen Füßen durch die Flure, versteckt ihr Gesicht hinter fusselig ergrauten Haaren und schaltet immer dann ihren hellwachen Blick ein, wenn man ihrer Greisen-Parodie auf den Leim zu gehen droht: das Musterexemplar eines gebrochenen Charakters.


Wer ist der Regisseur Drew Pearce?

Mit "Hotel Artemis" gibt Drew Pearce - nach einem eigenen Drehbuch - sein Debüt als Kino-Regisseur. Bevor der Brite als Ko-Autor von "Iron Man 3" (2013) ins Blockbuster-Geschäft wechselte, hat er die Sitcom "No Heroics" entwickelt, die Superhelden mit den Banalitäten des Alltags konfrontiert. Professionals mit Problemen gehören also zu seiner Kernkompetenz. Für Jodie Foster hat er mit "der Schwester" eine tolle Rolle geschrieben, die Labilität und Stärke überschneidet und mit dem titelgebenden Hotel noch eine tragfähige Großmetapher zu Seite bekommt. Gerade die erste Filmhälfte etabliert das Artemis als Pendant der Schwester, dass all ihre Widersprüche teil - als Ort des Verbrechens und der Selbstaufopferung, als Schutzpanzer und selbst geschaffenes Gefängnis einer traumatisierten Mutter. (Zum sechsten Mal Ethan Hunt: Was Sie über "Mission: Impossible: Fallout" wissen müssen)


Klinik voller Superstars: Zum Traum-Cast von "Hotel Artemis" gehören auch Zachary Quinto und Jeff Goldblum. Foto: Concorde

Zu wenig Raum für zu viele Helden

Leider überfüllt Pearce  seinen Film mit so vielen Handlungsträgern, dass es im Hotel wirklich zu eng wird. Jeff Goldblum spielt den abgeklärten Wolf King, Dave Bautista ("Guardians of the Galaxy") einen zwischen Sanftmut und Wehrhaftigkeit changierenden Pfleger. Sofia Boutella ist als Profi-Killerin das Klischee des französischen Vamps, Charlie Day die Klamauk-Version des südländischen Waffendealers. Und mittendrin schwankt noch ein dramatisches Bruder-Paar zwischen Leben und Tod (Sterling K. Brown, Brian Tyree Henry). Sie alle kriegen, pointiert und glatt poliert, ihren Auftritt, ohne dass sich  daraus ein Ganzes ergibt. 

Im Spannungsaufbau der ersten Hälfte gelingt Pearce noch ein suggestiver Thriller: Während vor dem Hotel gewalttätige Unruhen ausbrechen, steigt der Druck innen stumm und leise. Aber je mehr Personal durch die Lobby trampelt, desto stärker zerbricht das Gefüge zugunsten von Nummern. Die Figuren, die nach ihren Hotel-Suiten nur Städtenamen wie Acapulco oder Honulu tragen, karikieren sich selbst; ihre Dialoge sind Bonmots zum Auswendiglernen: "Ich habe keinen Plan, aber etwas fast genauso Gutes: eine Kanone." Die Kampfszenen im Edel-Hotel werden zu isolierten Preziosen und sind genauso ausgestellt inszeniert wie der lakonische Humor. ("Rauchen tötet" steht zum Beispiel auf einer Zigarettenschachtel, in der eine Bombe versteckt ist.) Mit jedem seiner Einfälle demonstriert Pearce den Anspruch, einen Kultfilm zu schaffen. Dabei wienert er die Oberflächen seines Neo-Noirs so gründlich, dass sie am Ende sogar den Abgrund überstrahlen, den Jodie Foster in ihrer wunderbaren Performance aufreißt. 

"Hotel Artemis". USA 2018. R: David Pearce. D: Jodie Foster, Jeff Goldblum, Drew Pierce, Sterling K. Brown. 94 Minuten. 



Schwerverbrecher mit Vorgeschichte: Sterling K. Brown und Sofia Boutella in Drew Pearces "Hotel Artemis". Foto: Concorde



Jodie Foster und Dave Bautista: das nicht nur freundliche Pflegepersonal im "Hotel Artemis". Foto: Concorde



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