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29.06.2018, 17:20 Uhr ISLAMISCHES INSTITUT DER HUMBOLDT-UNI

Theologischer Diskurs braucht Konservative und Reformer

Kommentar von Ralf Döring

Gemeinsam sind sie stark: Imam Osman Oers (vorn) und Rabbi Akiva Weingarten nehmen an der Fahrraddemo „Meet2resepct“ in Berlin teil. Foto: AFP/John MacDougallGemeinsam sind sie stark: Imam Osman Oers (vorn) und Rabbi Akiva Weingarten nehmen an der Fahrraddemo „Meet2resepct“ in Berlin teil. Foto: AFP/John MacDougall

Die Humboldt-Universität gründet ein Institut für Islamische Theologie. Allerdings besetzt sie den Beirat nur mit Vertretern des konservativen Islam. Warum nur? Ein Kommentar.

Die Bundesrepublik ist ein säkularer Staat. Sie gewährleistet die Freiheit der Religionsausübung, und das gilt fürs Christentum, das Judentum, den Islam, den Buddhismus, für Naturreligionen. Wenn aber unsere Universitäten Pastoren ausbilden, warum sollen dann Imame nicht ebenfalls ihr Rüstzeug für die Berufsausübung erhalten? Der Grundsatz der Gleichbehandlung aller Religionen gebietet das, sonst sind einige Religionen freier als andere.

Die Humboldt-Universität trägt dem Rechnung und gründet ein Institut für Islamische Theologie – gut so. Weniger gut ist die Idee, den Institutsbeirat nur mit konservativen Islamvertretern zu besetzen. Es sei denn, sie will den Vorwurf, der Islam sei konservativ, ja rückwärtsgewandt, akademisch unterfüttern. Damit verkehrt sich die gute Absicht ins Gegenteil, indem die Universität Islamgegnern Argumente liefert.

Dabei gibt es den modernen, weltoffenen Islam genauso wie es Menschen gibt, die sich für eine Reform der katholischen Kirche stark machen. Diese Strömungen sollen nicht apodiktisch die neue Richtung der Theologie vorgeben. Aber sie sollen sich artikulieren können: In der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft. Erst wenn Konservative und Reformer sich gleichermaßen beteiligen, wird der Diskurs sinn- und wertvoll.


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