Kampa verlegt Georges Simenon Romane um Kommissar Maigret bald wieder zu haben

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Osnabrück. Maigret ist wieder da! Die Romane von Georges Simenon um den legendären Pariser Kommissar waren zwei Jahre lang nicht mehr zu haben. Der Diogenes-Verlag hatte die Rechte verloren. Jetzt kommen die Bücher im Kampa-Verlag neu heraus. Pikant: Verlagsgründer Daniel Kampa war früher Diogenes-Manager.

Maigret kommt zurück! Nicht nur die Fans des berühmten, von Georges Simenon erfundenen Pariser Kriminalkommissars atmen auf. Alle Literaturfreunde applaudieren. „Die Nachfrage ist da. Die Maigret-Romane werden weiter gelesen“, sagt Daniel Kampa. Der Gründer des Zürcher Kampa-Verlages bringt ab Oktober 2018 die Bücher wieder auf den Markt. Nach zwei Jahren, in denen die Abenteuer Maigrets nicht im Buchhandel zu erhalten waren, wird das in den Augen vieler Krimi-Enthusiasten auch Zeit. 2016 waren die Publikationsrechte ausgelaufen. Der Diogenes-Verlag, bislang mit dem ganzen Simenon im Angebot, war aus dem Spiel. Die Inhaber der Rechte, eine englische Agentur und Autorensohn John Simenon, kündigten Diogenes. Kampa übernahm. Die pikante Pointe: Der Verlagsgründer war lange Jahre führend bei Diogenes tätig. Hier weiterlesen: Von Diogenes zu Kampa - neuer Verlag für Georges Simenon.

Riesige Weltauflage

Mit Georges Simenon nimmt er nicht irgendeinen Autor mit. Der 1989 gestorbene belgische Romancier gehört zu den am meisten gelesenen Literaten überhaupt. Die bisherige Weltauflage wird auf rund 500 Millionen Exemplare geschätzt. Hermann Hesse, immerhin Literaturnobelpreisträger und einer der Longseller der Literatur des 20. Jahrhunderts, kommt da im Vergleich nur auf 150 Millionen verkaufte Bücher. Aber auch das ist schon ein Fabelrekord. Literaturexperte Michael Serrer zieht jedenfalls den Vergleich mit Hermann Hesse („Der Steppenwolf“), um die Dimension des Verlagswechsels der Bücher Simenons zu verdeutlichen. „Man stelle sich vor, der Suhrkamp-Verlag würde Hermann Hesse nicht mehr verlegen“, sagt Serrer, Leiter des Literaturbüros Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Einnahmen aus den Verkäufen der Werke Hesses garantieren Suhrkamp bis heute einträgliche Erlöse. Hier weiterlesen: Mein Buch fürs Leben - das macht Bücher für uns so unersetzlich.

Im Oktober geht es los

Fährt Kampa also eine „Strategie der Spitzentitel“, wie Serrer sagt? Ein bloßer „Maigret-Verlag“ soll Kampa nach den Worten des Verlagsgründers nicht sein. „Wir wollen ein normaler literarischer Verlag sein und auch neue Autoren entdecken“, kündigt Daniel Kampa im Gespräch an. Erst einmal aber kommt Maigret, der ganze Maigret. Anfang Oktober 2018 geht es los. Dann kommen mit „Mein Freund Maigret“, „Maigrets Nacht an der Kreuzung“ oder „Maigret bei den Flamen“ wahre Klassiker unter den rund 75 Maigret-Romanen bei Kampa wieder auf den Markt. Kampa setzt dabei auf überarbeitete Übersetzungen. Nur wenige Titel werden neu übersetzt. Wichtig für Leser: Die Bücher werden mit 14,90 Euro jetzt teurer sein als die Bände der entsprechenden Edition von Diogenes. Hier weiterlesen: Die Stimme zum Roman - Lesungen machen aus Literatur Events.

Teure Taschenbücher

„Die Pläne von Kampa hören sich interessant an“, sagt Oliver Hahn, Betreiber der Netzseite maigret.de. Das Verschwinden der Bücher Simenons sei erst nach und nach aufgefallen, habe die Fans dann aber wie ein Schock getroffen, berichtet Hahn, der in der Nähe von Rendsburg in Schleswig-Holstein wohnt. „Die Taschenbücher waren bei ebay oder Amazon plötzlich nur noch für 30 bis 40 Euro zu haben“, berichtet Hahn, der sich als „Simenon-Liebhaber“ bezeichnet, von einem rasanten Preisanstieg für schlichte Taschenbücher. Das Kampa-Programm verspricht nun nach Hahns Worten nicht nur ein Ende der Durststrecke, sondern auch die erste Begegnung mit zuvor selten oder gar nicht edierten Werken Simenons. So startet Kampa unter anderem mit „Der Schnee war schmutzig“ und „Chez Krull“, zwei Titeln aus dem Bereich von Simenons „Non-Maigret-Romanen“. Kampas kluger Schachzug: Er gewann prominente Autoren wie Daniel Kehlmann und Julian Barnes für Vorwörter, mit denen die Neueditionen ausgestattet werden. Hier weiterlesen: Von „Deutschstunde“ bis „Christa T.“ - wie Literatur den Geist von 1968 prägte.

„Mit Maigret eine Marke“

Der literarische Wert von Simenons Romanen steht derweil außer Zweifel. Der Autor sei „mit Maigret eine Marke“ geworden, sagt Andrea Grewe, Professorin für Romanistik an der Universität Osnabrück. „Aber auch die anderen Romane sind es wert, einem größeren Publikum nahegebracht zu werden“, plädiert die Professorin nachdrücklich für die Romane ohne den Kommissar. Sie sieht Georges Simenon als Vertreter eines realistischen Schreibens. Grewe: „Simenon erzählt Geschichten von Menschen und ihren Konflikten. Das lässt Menschen bei der Literatur bleiben“. Simenon erinnere mit seinen Schilderungen menschlicher Abgründe an den neorealistischen Film Italiens, ordnet Grewe den Autor ein. Hier weiterlesen: Mein Buch fürs Leben - „Die Pest“ von Albert Camus.

Neue Verlage

Unterdessen beobachtet Literaturexperte Michael Serrer den Start von Kampa im Hinblick auf verlagspolitische Fragen. In den letzten Jahren seien mehrere Verlage von ehemaligen Mitarbeitern großer, renommierter Häuser gegründet worden, berichtet Serrer. Er nennt Jung und Jung, den Mare-Verlag und Kookbooks. Das Programm dieser Verlage habe klare Schwerpunkte, so etwa Mare mit seinem auf das Thema des Meeres konzentrierten Angebots oder Kookbooks mit junger Lyrik. Auch Daniel Kampa blickte vor der Gründung des eigenen Unternehmens auf eine erfolgreiche Karriere bei den Verlagen Hoffmann und Campe und Diogenes zurück. Er agierte lange als wichtigster Mitarbeiter des 2012 verstorbenen Diogenes-Gründers Daniel Keel. Jetzt wagt auch er den Schritt in die Selbstständigkeit. Dabei stützt er sich auf den Erfolgsgaranten Georges Simenon. Kampa ist sich sicher: „Simenon ist einer der wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts“.


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