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29.06.2018, 15:35 Uhr KOLUMNE

Joshua Redman: Jazz im Geist des Vaters

Von Ralf Döring


Osnabrück. „Still Dreaming“ heißt das neue Album des Saxofonisten Joshua Redman. Er hat sich dafür ein Quartett zusammengestellt, das im Geist von Vater Dewey Redmans Quartett „Old And New Dreams“ spielt.

Der Bezug ist unüberhörbar: Mit Tenorsaxofon und Kornett, Bass und Schlagzeug haben Trompeter Don Cherry, Bassist Charlie Haden, Schlagzeuger Ed Blackwell und Saxofonist Dewey Redman den Geist des Freejazz in die Siebziger Jahre getragen. Gut vier Jahrzehnte später widmet Deweys Sohn Joshua Redman dem Vater das Album „Still Dreaming“: Wieder spielen Kornett (Ron Miles) und Saxofon (Redman selbst) vor Bass (Scott Colley) und Schlagzeug (Brian Blade), und das sind beileibe nicht die einzigen Parallelen zwischen dem Quartett des Vaters und dem des Sohnes. Klar, das schillernde Outfit der Freejazzer muss heute keiner mehr tragen, aber lächelnd zitieren kann man es schon mal. Klanglich bezieht sich Joshuas Band aber deutlich auf den Vater; in den Dialogen zwischen Redman (Sohn) und Miles klingen sogar die Strukturen der väterlichen Vorbilder durch. Die Spielfreude hat sich ebenfalls in vererbt; man hört es in der ersten Nummer „New Year“. Aber Blues und Gospel schleichen sich mit ihren Sentimentalitäten ein, wie das so ist, wenn man über gestern sinniert. In jedem Fall breitet es große Freude, Joshua Redman dabei zuzuhören.

Joshua Redman: „Still Dreaming“ mit Ron Miles, Scott Colley und Brian Blade. CD und LP bei Nonesuch/ Warner


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