Kommentar: Jüdisches Museum Abstieg in Kölns Geschichte

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Reiche historische Bausubstanz ist in Köln allgegenwärtig. Foto: dpaReiche historische Bausubstanz ist in Köln allgegenwärtig. Foto: dpa

Osnabrück. Noch ein Jüdisches Museum, muss das sein, könnte man mit Blick auf die vielen vorhandenen Museen in Deutschland fragen. Doch das Kölner Museum unterscheidet sich, indem es unmittelbar physisch anknüpft an das uralte jüdische Leben in der Stadt.

Das ausgegrabene mittelalterliche Judenviertel wird Teil des Museums: Das beglaubigt jüdische Geschichte mehr als moderne Erlebnisdidaktik.

Antisemiten wird es schwer, Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung zu leugnen, wenn ein Parcours mitten durch ein willkürlich zerstörtes Viertel führt. Wie brutal Ausgrenzung funktioniert, lässt sich daran ablesen, dass den Juden ein Pestausbruch im Jahr 1349 zugeschoben wurde.

Erlebbar machen, was ohnehin noch präsent ist in einer Stadt: So geht auch das Europäische Hansemuseum in Lübeck vor. Auch hier steigt man ins Dunkle einer ausgegrabenen Vergangenheit hinab und trifft dort auf mittelalterliche Artefakte. Einen Palast des römischen Statthalters wie Köln hat Lübeck zwar nicht zu bieten.

Aber Ausflüge in die historischen Tiefenschichten einer Stadt regen das Vorstellungsvermögen effektiver an als einzelne Fundstücke.


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