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Beschluss des Stadtrats Pop-Posse: Superstar Ed Sheeran darf nicht in Düsseldorf spielen

Von dpa

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Aus für Mega-Event: Für das Ed-Sheeran-Konzert in Düsseldorf gibt es keine politische Mehrheit im Stadtrat. Foto: dpa/Maurizio GambariniAus für Mega-Event: Für das Ed-Sheeran-Konzert in Düsseldorf gibt es keine politische Mehrheit im Stadtrat. Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Düsseldorf. Superstar Ed Sheeran darf in Düsseldorf nicht spielen. Für seinen geplanten Auftritt am 22. Juli vor 85.000 Fans verweigerte ein Ausschuss des Stadtrats die Zustimmung. Die Ticketbesitzer können dennoch hoffen. Man arbeite an einer anderen Lösung, hieß es.

Er wird seine sanften Balladen woanders zum Besten geben müssen: Ed Sheeran ("Shape of you") darf in Düsseldorf nicht vor seine Fans treten. Der Planungsausschuss des Stadtrats versagte dem Superstar am Mittwochabend die Zustimmung. Für das Konzert am 22. Juli waren bereits seit Monaten 85.000 Tickets verkauft. 

Für den Auftritt des Briten und die Ticketbesitzer scheint der letzte Vorhang aber noch nicht gefallen: Konzertveranstalter FKP Skorpio kündigte an, in Kürze würden neue Pläne bekannt gegeben. Man arbeite an einer anderen Lösung in NRW - außerhalb der Landeshauptstadt, "damit die Fans Ed Sheeran doch noch live in NRW erleben können. Wir werden Informationen dazu schnellstmöglich in den kommenden Tagen bekannt geben und möchten noch um etwas Geduld bitten", hieß es.

Oberbürgermeister enttäuscht

"Das ist ein sehr, sehr schlechter Tag für Düsseldorf", sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), der sich für Sheeran und ein neues Open-Air-Gelände in der Landeshauptstadt ins Zeug gelegt hatte. "Da wurde eine Riesenchance vertan. Das wird uns als Event-Metropole zurückwerfen." 

"Mit Verwunderung und grenzenloser Enttäuschung nehmen der Veranstalter FKP Scorpio und das Management von Ed Sheeran die soeben auf einer Sondersitzung der Stadt Düsseldorf getroffene Entscheidung zur Kenntnis", hieß es von dort in einer Mitteilung.

SPD und FDP stimmten für die Genehmigung und das Konzert, CDU, Grüne, Linke und Freie Wähler dagegen. Erstmals sollte auf dem Parkplatz 1 der Düsseldorfer Messe ein großes Open-Air-Konzert stattfinden. Doch dafür sollten 104 Bäume gefällt werden. Zwar hatte die Stadtspitze als Ausgleich bis zu 1000 neue Bäume in Aussicht gestellt. Doch die Umweltschützer überzeugte das nicht.

"Der beste Baumschutz ist, einen Baum nicht zu fällen", sagte der Grünen-Vertreter. Der der FDP hielt dagegen: "Es gibt 85.000 Leute, die finden gar nicht toll, was hier passiert. Wir machen uns in der Öffentlichkeit lächerlich."

"Das bringt Düsseldorf gar nichts. Wir wollen hier auch kein Wacken, das halten wir für unpassend", sagte dagegen CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt mit Blick auf das große Heavy-Metal-Festival im Norden.

Wer übernimmt die Planungskosten?

Nun droht neben dem Ausfall des Konzerts auch ein Rechtsstreit um die erheblichen Planungskosten, die bislang aufgelaufen sind. Der Oberbürgermeister versicherte, er habe keine Zusage erteilt. Nach den Grünen war dem Stadtchef auch die CDU bei den Konzertplänen von der Fahne gegangen. Im Rathaus hatte man lange gehofft, CDU oder Grüne würden doch noch einlenken.

Auf dem Gelände sollte "die größte urbane Eventfläche Nordrhein-Westfalens" entstehen. Sie sei hervorragend angebunden und bestens geeignet für solche Mega-Konzerte, hatte der Oberbürgermeister geworben. "Ich kann keinen sachlichen Grund erkennen, dieser Veranstaltung die Genehmigung zu verweigern."

Das sahen die Gegner anders: Abgesehen von den Bäumen, die weichen müssten, liegt das Gelände in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens. Wenn ein großer Passagierflieger mit 87 Dezibel durch ein leises Liebeslied dröhnt, sei das Konzertvergnügen dahin. Nebenan stehe die teure und moderne Arena derweil leer und schreibe rote Zahlen.

Die Düsseldorfer Feuerwehr hatte betont: Beim Sicherheitskonzept habe es keine Kompromisse gegeben. "Wir haben das Loveparade-Unglück hautnah miterlebt. Unsere Forderungen wurden alle erfüllt."

Ursprünglich sollte der rothaarige Superstar auf dem Flugplatz Essen/Mülheim auftreten. Dann fiel auf, dass dort die sensiblen Feldlerchen brüten und noch massenhaft Bomben-Blindgänger im Boden schlummern könnten. So kam Düsseldorf ins Spiel.


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