Brave Teufelin auf Seelenfang Jugendbuchverfilmung "Meine teuflisch gute Freundin"

Von Tobias Sunderdiek

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Lässt nichts anbrennen: Lilith (Emma Bading) als des Teufels Tochter.Lässt nichts anbrennen: Lilith (Emma Bading) als des Teufels Tochter.

Osnabrück. Von wegen "freche Mädchen": Die Verfilmung des Jugendbuches "Meine teuflisch gute Freundin" von Hortense Ullrich ist kreuzbrav

Lilith Schwarz ist böse. Kein Wunder, ist die 14-Jährige (Emma Bading) doch die Tochter des Teufels. Sie findet, dass es Zeit ist, in den „Außendienst“ zu gehen. Also bittet sie ihren Vater (Samuel Finzi) um eine Aufgabe, um sich würdig zu erweisen. Mr. Beelzebub, ein Frankfurter  Börsenspekulant, schickt daraufhin Lilith inkognito ins beschauliche Birkenbrunn, wo sie eine Woche Zeit hat, die bieder-fröhliche „Miss Birkenstock“ Greta Birnstein (Janina Fautz), Tochter von Hardcore-Öko-Eltern, zum Bösen zu bekehren. Eine ungeahnt schwierige Aufgabe!

Erschwerend kommt hinzu, dass die Jungs an der Schule ja „so süüüüüß“ sind. Greta ist verliebt in den Schul-Casanova (Emilio Sakrava, aus den "Bibi & Tina"-Filmen), Lilith verknallt sich in den Außenseiter Samuel (Ludwig Simon). Zukünftige Konflikte und Annäherungen an die Lebensweise des jeweils anderen Mädchen sind also, der Titel deutet es bereits an, vorprogammiert. Am Ende findet, wen wundert es, ein jeder Topf sein Deckelchen.

Dialoge auf dem Niveau eines „Bravo“-Fotoromans, eine reißbrettartige Handlung (nach einem Buch von Hortense Ullrich), Karikaturen statt Charaktere und dazu eine wie inzwischen im deutschen Film übliche Kulisse aus properen Vorstadtbildern und „Landleben“-Idylle, machen diesen Film so „platt“ wie die norddeutsche Küstenlandschaft, in der das Ganze spielen soll. Gedreht wurde übrigens unter anderem in Leer und auf Norderney.

Regisseur Marco Petry, Schöpfer von „Meisterwerken“ wie „Doktorspiele“ oder „Machen wir‘s auf Finnisch“ inszenierte den Film nach dem Faust‘schen Motto, dass Lilith „stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Doch Dichtkunst kommt hier nicht zum Einsatz. Eher Pennäler-Humor à la „Fack Ju Göhte“ , vermengt mit ein bisschen „Hanni & Nanni“-Kitsch. Gehandelt wird das kreuzbrave Filmchen dann unter dem Label „Freche Mädchen“. Doch angesichts des hausbacken-einfältigen Endprodukts könnte nichts falscher etikettiert sein.

Es ist nichts weiter als "Papas Kino" für frühpubertäre Mädchen.


„Meine teuflisch gute Freundin“. D 2018. R:: Marco Petry. D.: Emma Bading, Janina Fautz, Samuel Finzi, Ludwig Simon, Oliver Korritke, Axel Stein. FSK: ab 6

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