Der Kampf ums Überleben "Der Boxer und der Tod" - eine Wiederentdeckung

Von Tobias Sunderdiek

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Manfred Krug (im Hintergrund) als Lagerkommandant im Ring mit Stefan Kvietik.Manfred Krug (im Hintergrund) als Lagerkommandant im Ring mit Stefan Kvietik.

Osnabrück. DDR-Topstar Manfred Krug in einer seiner besten Rollen: In "Der Boxer und der Tod" (1962) spielt er einen KZ-Kommandanten.

Boxen im Konzentrationslager – gab es das wirklich? An einem Ort, wo (nicht nur sportliches) Fair-Play abhanden war, wo der Tod und das Grauen alltäglich waren? Ein eigentlich verstörender Gedanke. Doch genau davon erzählt der 1962 entstandene slowakische Film „Der Boxer und der Tod“ des Regisseurs Peter Solan. In einer der Hauptrollen: DDR-Star Manfred Krug, der den Lager-Kommandanten und Hobby-Boxer Kraft spielt. Als er eines Tages erfährt, dass der Häftling Jan Kominek (beeindruckend: Štefan Knitiek) früher selbst in den Ring stieg, wählt er ihn aus. Kraft sucht einen Sparring-Partner. Und ein „Fliegengewicht“ an dem er sich abreagieren kann. Er lässt Kominek aufpäppeln, lässt ihn zusätzliche Essensrationen zukommen. Seine Mithäftlinge verdächtigen ihn deshalb, für die Nazis zu spitzeln.

Doch Kominek treiben ganz andere Sorgen um: Sollte er einmal Kraft besiegen, läuft er Gefahr „ins Gas“ geschickt zu werden. Als aber ein Freund ermordet wird, will er Rache an Kraft nehmen, ihn in einem Kampf vor geladenen Gästen bloßstellen. Steht der letzte Kampf Komineks bevor?

Die Absurdität in der Hölle: Um das Grauen des Lagerlebens zu zeigen, braucht der Film nur ein paar einfache Bilder: Verlassene Habseligkeiten von Menschen, danach schwarzer Rauch aus einem Schornstein, der die Sonne verdunkelt – solche Szenen lassen in ihrer Reduktion erschaudern.

Entstanden nach einer Kurzgeschichte des polnischen Autors Józef Hen, und gedreht auf einem authentischen KZ-Gelände, präsentiert das Entdecker-Label „Bildstörung“ mit „Der Boxer und der Tod“ nun einen fast vergessenen, nun geradezu vorbildlich edierten und restaurierten Klassiker auf Blu-ray und DVD.

„Der Boxer und der Tod“ ist nicht nur ein mehrfach ausgezeichnetes Hauptwerk des osteuropäischen Kinos der 60er , sondern zugleich auch eine mutige, der Zensur abgetrotzte Abkehr vom Dogma des „Sozialistischen Realismus“ mit seinen heroischen antifaschistischen Helden.

Vielen westlichen Cineasten kaum bekannt, machen die zahlreichen Extras auf einer zweiten DVD neugierig, Peter Solans weitere Filme neu zu entdecken. Dafür sorgen unter anderem ein einstündiges Interview mit dem Regisseur kurz vor dessen Tod 2013, Solans Kurzfilm „Deutschdorf“ (1974), sowie zwei Interviews mit Filmhistorikern. Als weiteres Extra begeistert ein 20-seitiges Booklet über reale Boxer in deutschen KZs. 

Ein nicht nur historisch wichtiger, sondern vor allem packender Film – und zweifelsohne eine der größten Wiederentdeckungen seit langem. 


„Der Boxer und der Tod“. Bluray + Extra-DVD oder als  Doppel-DVD. Bildstörung. FSK: ab 12.

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