Ein Bild von Christine Adam
25.06.2018, 17:44 Uhr KOMMENTAR ZUM MAORI-SCHÄDEL

Rückgabe des Maori-Schädels an Ureinwohner wird höchste Zeit

Kommentar von Christine Adam

Vertreter der Kulturgruppe „Ngati Ranana Maori“ aus London führten in der alten Nationalgalerie in Berlin Rituale und Segnungen der Maori durch. Foto: Matthias Balk/dpaVertreter der Kulturgruppe „Ngati Ranana Maori“ aus London führten in der alten Nationalgalerie in Berlin Rituale und Segnungen der Maori durch. Foto: Matthias Balk/dpa

Osnabrück. Die feierliche Übergabe eines Maori-Schädels an die Ureinwohner Neuseelands ist auch ein symbolisch gewichtiger Akt in einem Jahr, das den Kolonialismus und seine Übergriffe ernsthaft aufarbeiten will – ein Kommentar.

Nicht jeder Maori-Schädel, der sich in deutschen Museen befindet, muss geraubt worden sein. Vor rund 100 Jahren waren solche Schädel auch käuflich zu erwerben oder wechselten als Geschenk den Besitzer. Das macht die Sache nur noch makabrer, unabhängig von der Frage, ob solche menschlichen Überreste legal oder illegal nach Deutschland gekommen sind. Der Respekt verlangt es, solche aus ihrem kulturellen oder gar spirituellen Zusammenhang gerissenen Überreste nirgendwo zur Schau zu stellen. Gottlob wächst seit Jahren das Bewusstsein für solche Pietätlosigkeiten.

Doch auch wenn Schädel oder andere Überreste längst nur noch in den Archiven lagern, ist erst ihre Rückgabe an die Ursprungskultur der entscheidende versöhnliche Schritt. Daher verwundert es ein wenig, dass das Kölner Rautenstrauch-Joest- Museum den Schädel erst jetzt den Ureinwohnern Neuseelands übergibt. Schließlich bemüht sich das „Karanga Aotearoa Repatriation Programme“ des „Museum of New Zealand Ta Papa Tongarewa“ schon seit 2003 um die Heimführung von Maori-Schädeln.

Immerhin ist die feierliche Übergabe auch ein symbolisch gewichtiger Akt in einem Jahr, das den Kolonialismus und seine Übergriffe ernsthaft aufarbeiten will.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN